Foto: Standortagentur Tirol

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Zukunftsforscher Andreas Reiter (ZTB Zukunftsbüro) bei seinem TMI-Impulsvortrag.

Ökologische Kompetenz wird Wettbewerbsvorteil

11.10.2013
Tourism meets Industry in Seefeld: Die Zukunft erfolgreichen Wirtschaftens liegt in der Verschmelzung von Ökonomie und Ökologie.

Im Jahr 2012 fand erstmals der vielbeachtete Prolog von TMI – Tourism meets Industry in der Olympiaregion Seefeld statt. Die zweite Auflage des branchenübergreifenden, internationalen Forums ging gestern mit rund 80 hochkarätigen Experten aus unterschiedlichen Wirtschafts- und Industriebereichen in Szene. Die Fachleute aus Österreich, Bayern, Südtirol und der Schweiz beleuchteten dabei u.a. neue Ansätze im Bereich der Mobilität sowie Energiemanagement und Energieeffizienz bei Bergbahnen.


„TMI will die Kooperation zwischen alpiner Tourismuswirtschaft und innovationsorientierter Industrie stärken, um nachhaltige und zukunftsfähige Entwicklungen zu beschleunigen und damit den Alpenraum als ,Smart Region‘ stärker zu verankern“, erklärten die beiden Initiatoren Harald Gohm (GF Standortagentur Tirol) und Markus Tschoner (Präsident „Best oft he alps“, GF Olympiaregion Seefeld) zum Auftakt der Veranstaltung.

Bereits die Impulsstatements von Zukunftsforscher Andreas Reiter (ZTB Zukunftsbüro) und Tourismusberater Roland Zegg (grischconsulta) machten deutlich, dass die Verschmelzung von ökonomischen und ökologischen Anforderungen die Zukunft erfolgreichen Wirtschaftens sei.

„Zwischen Ökonomie und Ökologie braucht es einen neuen Deal, weil sich Konsumenten das heute erwarten. Dabei gehe es nicht um Verzicht, sondern um intelligenten, zukunftsfähigen Konsum, der den Blick auf schwindende Ressourcen behält“, so Reiter. Intelligente Anpassungsstrategien seien angesichts der Energiewende und Klimaschutz unverzichtbar. Daher brauche es gerade auch im Tourismus situative Mobilitätslösungen, neue Dienstleistungen „on demand“. Reiter ist überzeugt, dass ein „upgrading“ der Destinationen notwendig sei, „damit das Angebot dem entspricht, was sich die Kunden erwarten: Gäste kommen aus ‚Smart Cities‘ und erwarten, dass auch die Urlaubsdestination Dinge wie nachhaltige Mobilität etc. anbieten.“

Zegg räumte in seinen Ausführungen mit Vorurteilen gegenüber Bergbahnen als „Stromfresser“ und „Energieverschwender“ auf. „Die Bergbahnen in der Schweiz brauchen etwa 0,25% der ganzen Stromproduktion, gleichviel wie z.B. die Stadt Chur.“ Kreuzfahrten oder Flugreisen hätte eine wesentlich größere Schadstoffauswirkung als der klassische Skiurlaub“. Dennoch ist auch Zegg überzeugt, dass nachhaltiges Energiemanagement und ökologische Kompetenz zu einem großen Wettbewerbsvorteil im alpinen Tourismus avanciert. Angesichts zahlreicher positiver Beispiele von Entwicklungen im alpinen Seilbahnsektor, etwa mit eigenen Photovoltaik-Anlagen wie in Zermatt, forderte Zegg: „Unser Motto muss lauten: Tue Gutes und rede darüber. Denn der Umgang mit Energie wird in unserer Gesellschaft ein Schlüsselthema und hier besteht ein klarer Nachholbedarf in der Kommunikation.“


SPANNENDE DISKUSSIONEN BEI INTENSIV-WORKSHOPS

Auch in den folgenden Intensiv-Workshops zu den Themen „Mobilität im Tourismus“ und „Energieeffizienz bei Bergbahnen“ wurde deutlich wie sehr ökologisches Denken die alpine Tourismuswirtschaft bereits durchdringt.

Zum Thema Energieeffizienz bei Bergbahnen diskutieren Bruno Abegg (alpS GmbH), Erich Egger (Schmittenhöhebahn), und Eduard Schaufelberger (Skiliftgenossenschaft Tenna) mit den Teilnehmern. Wissenschaft und Praxis fanden hier zusammen: Bruno Abegg beleuchtet beispielsweise die Auswirkungen des Klimawandels aus touristischer Sicht mit dem Fokus auf den alpinen Bereich als besonders sensible Zone, Eduard Schaufelberger stellt mit dem „Solarskilift Tenna“ - dem weltweit ersten Solarskilift - ein Schweizer Vorzeigemodell in den Mittelpunkt seiner Ausführungen. Erich Egger präsentiert das Engagement der Schmittenhöhebahn im Bereich erneuerbarer Energien. Im Sommer 2013 ging die Bahn beispielsweise mit einer der größten gebäudeintegrierten Photovoltaikanlagen des Landes ans Netz.

Günther Forster (Kompetenzzentrum Sport-Gesundheit-Technologie GmbH), Hugo Götsch (Freie Universität Bozen) und Carmen Mentil (Alpine Pearls) präsentierten im Mobilitäts-Workshop. Während Günther Forster über Erfahrungen aus Garmisch als Modelkommune-Elektromobilität berichtete, stellte Hugo Götsch das Projekt „Südtirol Rad“ vor – seit 3 Jahren bietet Südtirol ein 500 km langes Radwanderwegnetz mit 24 kooperierenden Verleihstellen an, das die Fahrradeinwegmiete in Kombination mit den öffentlichen Verkehrsmitteln ermöglicht. Carmen Mentil informierte über die Initiative „Alpine Pearls“: Die Mitgliedsorte der Gruppe ermöglichen es dem Gast, auf das Auto zu verzichten und bieten eine umweltfreundliche Mobilitätsgarantie.

Kompetent moderiert wurden die beiden Workshops von Verena Ringler (Projektmanagerin der Stiftung Mercator) und Michael Brandl (Tirol Werbung), die die Ergebnisse in das Abendforum unter dem Motto „Innovativ denken...“ einbrachten.


ABENDVORTRÄGE ZU INNOVATIVEN PROJEKTLÖSUNGEN

Im Rahmen der Abendvorträge standen innovative Projektlösungen für touristische Herausforderungen im Mittelpunkt: Kathrin Aste (LAAC Architekten ZT GmH) beschäftigte sich mit dem Umweltdesign alpiner Infrastrukturen, Helmut Guggenbichler (Bartenbach GmbH) macht neue Lösungsansätze für energieeffiziente Beleuchtung im Wintersport sichtbar. Durch neueste Technologie könnte z.B. bei der optimierten Skipistenbeleuchtung bis zu 50% des Energiebedarfs gespart und durch die Vermeidung von Streulicht Umwelt und Tiere geschützt werden.

Julian Weber, der seitens BMW die komplette Pilotierung mit MINI E und Active E leitete - auch in ländlichen Gegenden wie Garmisch-Partenkirchen oder im Bayerischer Wald - gab einen Einblick in die Pionierrolle, die der bayerische Automobilhersteller im Bereich E-Mobilität einnimmt. Im Rahmen von TMI in der Olympiaregion in Seefeld konnte man auch einen Blick auf den brandneuen BMW i3 werfen. Weber: „Bei diesen Elektrofahrzeugen bestimmt die Nachhaltigkeit den gesamten Produktzyklus. Und diese Nachhaltigkeit macht den Nutzern vor allem sehr viel Spaß.“

Am Rande der Veranstaltung wurde auch ein aufsehenerregendes Forschungsprojekt der Bodenkultur Wien und der Technischen Universität Wien – die Produktion von naturähnlichem Schnee aus einer künstlichen Wolke – diskutiert. Auch wenn der geplante Vortrag von Michael Bacher krankheitsbedingt kurzfristig entfallen musste, stieß das Thema auf Interesse. Durch neueste Technologie soll die Produktion von echten Schneekristallen möglich werden, eine innovative Form von Schneeerzeugung, die in nächster Zeit in die Marktreife geführt wird. Das Start-up Unternehmen Niphatec (in Gründung) ist seit 2013 für die weitere wirtschaftliche Verwertung dieser preisgekrönten Idee verantwortlich.


POSITIVES REMÜMEE

Die Gastgeber Harald Gohm (Standortagentur Tirol) und Markus Tschoner (Präsident „Best of the Alps“ und Geschäftsführer Olympiaregion Seefeld) zogen angesichts der vielen Initiativen und Themen ein positives Fazit: „Mit TMI gibt es erstmals eine Plattform, auf der innovative Lösungsansätze aus der Industrie auf die konkreten Bedürfnisse der Tourismuswirtschaft treffen. Das große Interesse für die diesjährige Veranstaltung bestätigt, wie sehr beide Seiten an gemeinsamen Entwicklungen interessiert sind – zum Nutzen für den Standort Tirol bzw. den ganzen Alpenraum“.


„TMI – Tourism meets Industry“ ist eine Initiative der Standortagentur Tirol, Best of the Alps, der Olympiaregion Seefeld, der PR-Agentur pro.media kommunikation sowie mehrerer Wirtschaftspartner, unter anderem BMW.


Weitere Informationen unter www.tourism-meets-industry.com

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