Foto: Standortagentur Tirol

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v.l.: Dr. Harald Gohm, Moderator Robert Unterweger, Dr. Claudio Albrecht, Mag. Verena Ringler, Prof. Andreas Wieser, Univ.-Prof. Dr. Rainer Blatt.

Tirols Wettbewerbsfähigkeit in der Zukunft erhalten

25.10.2012
Um nicht weniger als die Zukunft des Standortes Tirol ging es bei "Tirol 2030 - Wir denken Zukunft".

Die künftigen Herausforderungen in Wirtschaft, Wissenschaft, Bildung, Gesellschaft und Politik aktiv auf breiter Basis anpacken, dazu alle vorhandenen Potentiale nützen und in der Dynamik eines großen Clusters einsetzen, den Wandel als lustvolles Vorhaben begreifen und so Meister des Wandels und nicht sein Opfer sein: Das waren die Kernaussagen der Podiumsdiskussion, die am 19. Oktober 2012 den Auftakt der Veranstaltungsreihe „Tirol 2030 – wir denken Zukunft“, einer Kooperation des ORF Tirol und der Standortagentur Tirol, markierte. Die zentrale Frage des Abends: Wie wettbewerbsfähig ist der Standort Tirol? Tirol sei in einer guten Ausgangslage, vorhandenes Potential zur weiteren Aufwärtsentwicklung müsse konsequent genützt werden, befanden die Podiumsdiskutanten Dr. Claudio Albrecht (internationaler Pharma-Manager und Vorstandvorsitzender Actavis), Mag. Verena Ringler (Beraterin für internationale Beziehungen), Prof. Andreas Wieser (Tourismusvisionär und Gesundheitsexperte) und Univ.-Prof. Dr. Rainer Blatt (Leiter des Instituts für Quantenoptik und Quanteninformation der Österreichischen Akademie der Wissenschaften und des Instituts für Experimentalphysik der Universität Innsbruck).

Vernetzung aller Akteure, um vorhandene Potentiale voll auszuschöpfen
Von den Diskussionspartnern wurde unisono der Clustergedanke als die beste Ausgangsbasis für notwendige Innovation ausgemacht. Je breiter die interdisziplinäre Zusammenarbeit aller verfügbaren Kräfte in Tirol, je offener diese für neue, kreative Ansätze und experimentierfreudiger für neue Wege ist, desto erfolgversprechender könne die Zukunft gestaltet werden. Wirtschaft, Wissenschaft und Öffentlichkeit müssten dabei einander die richtigen Fragen stellen, um vom „yes we can“ zum „yes we do“ zu kommen, wie es Andreas Wieser formulierte. Mit dem Ziel, Tirol zum alpinen Kraftplatz des Wandels zu machen, forderten die Beteiligten darüber hinaus die Zusammenarbeit aller Talente aus allen Fachrichtungen, Altersstufen, Hierarchieebenen und Professionen ein. Denn Tirol für das Jahr 2030 fit zu machen sei kein Zuschauersport, den man von außen beobachte, und kein Spitzensport, den man einigen wenigen überlassen könne; das Projekt Tirol 2030 müsse als Breitensport verstanden werden, betonte Verena Ringler. Ein derartiger sozio-kultureller Aufbruch als Voraussetzung für Wandel schaffe Verantwortungsgefühl und einen wichtigen gesellschaftlichen Mehrwert, ohne etwas zu kosten.

Mut zum Risiko
Als Heimatort der Pioniere des Wandels möchte Wieser Tirol 2030 benannt wissen. Dazu seien vor allem neugierige junge Menschen in den Bildungseinrichtungen nötig, meinte Rainer Blatt. „Der Hunger der Jungen nach Innovation muss von uns allen auf breiter Front gefördert werden. Forschung ist erfolgreich, wenn sie wilde Fragen und Thesen formuliert, den Mut hat, neue Wege zu beschreiten und Risiken einzugehen und so junge Menschen begeistert“, unterstrich Blatt. Um dem steigenden Finanzierungsbedarf von Forschung und Entwicklung nachkommen zu können, müssten neben der öffentlichen Hand auch Industriepartner stärker in die Forschungsfinanzierung eingebunden werden. Wie auch Claudio Albrecht zustimmte, brauche es geschickte Strategien, um solche Partnerschaften für beide Seiten interessant zu machen. Marktlücke in Tirol sei nämlich weder die Grundlagen- noch die anwendungsorientierte, sondern vielmehr die anwendungsoffene Forschung, so der Spitzenphysiker Blatt: Wirtschaftlicher Erfolg sei die Folge exzellenter Forschung, nicht ihre Bedingung. In einer derart verstandenen Forschungslandschaft könne der wissenschaftliche Nachwuchs gewonnen werden, sich für Innovation und Zukunft zu begeistern und damit Tirol weiter nach vorne zu bringen.

Tirol international
Dass Tirol von einer weiteren Öffnung nur profitieren könne, unterstrichen die Redner einhellig. Es gehe einerseits darum, dass TirolerInnen vermehrt während ihrer Ausbildungszeit wertvolle Erfahrungen im Ausland sammeln und gewinnbringend im Arbeitsleben einbringen sollten, andererseits um Anreize für Schlüsselpersonal aus dem Ausland, sich in Tirol niederzulassen, wie etwa Internationale Schulen. Als Ergänzung zu seiner hohen Lebensqualität und Authentizität würde Tirol auf diese Weise zu einer Pilotregion, die international anspreche. Forschung, Industrie und Bildung, die kreative ExpertInnenköpfe hervorbringt, erweiterten die Marke Tirol und machten sie für die Menschen im Land, aber auch jenseits unserer Landesgrenzen, besonders attraktiv. Unabhängig davon appellierten alle Beteiligten unisono, die Möglichkeiten, die sich in größeren Räumen bieten, zu nutzen: Durch grenzüberschreitende Kooperationen und Know-how-Transfer zwischen Nord- und Osttirol sowie Südtirol und dem Trentino eröffneten sich beim Forschen, Entwickeln und Arbeiten wichtige Potentiale für alle Regionen. Ein europäisches Bewusstsein ermögliche es zusätzlich, sich „best practice“ aus anderen Regionen abzuschauen und, wo sinnvoll und möglich, zu übernehmen. Letztendlich müsse sich diese Welt der Ideen und des Wissens mit der Welt der mutigen Entscheidungen, Mandate und Instanzen ergänzen, so Ringler in ihrem Schlusswort.

Die nächste Veranstaltung von „Tirol 2030“ am 1. Februar 2013 stellt die Frage „Schafft Tirol die Energiewende?“. Weitere Informationen sowie einen Videostream der ersten Sendung finden Sie unter www.tirol2030.at
 

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