Foto: Standortagentur Tirol

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Dr. Rudolf Sailer von der Universität Innsbruck hielt einen spannenden Vortrag über Naturgefahren in den Alpen und über Laserscanning.

Tiroler Nacht der Forschung über Naturgefahren

28.04.2012
Die Forschungsregion Tirol lud am Samstag, 28.4.2012, zu einer nächtlichen Reise durch die Welt der Forschung - in Matrei sprach ein Experte über Naturgefahren in den Bergen.

Die Tiroler Hochschulen öffneten gemeinsam mit vielen außeruniversitären Forschungsstätten und forschungsorientierten Unternehmen ihre Pforten und luden in Zusammenarbeit mit der Standortagentur, dem Land Tirol und der Industriellenvereinigung sowie dem Wissenschaftsministerium zur Tiroler Nacht der Forschung, Bildung und Innovation.

Mehr als 200 Einzelprojekte gaben am Samstag, 28. April 2012, einen facettenreichen Einblick in die Arbeit an den heimischen Forschungsstätten. Das Abenteuer Wissenschaft hautnah erleben konnte man in Innsbruck und Umgebung, aber auch in Kufstein und im Bezirk Lienz. Mag. (FH) Manuela Gritzer vom Regionalbüro Osttirol der Standortagentur Tirol hatte sich für die Forschungsnacht als Themen die Geologie Osttirols und Naturgefahren in den Alpen ausgesucht, als dazu passenden Ort den Kesslerstadl in Matrei. Zur Einstimmung gab Mag. Martin Rainer, Obmann des Alpinkompetenzzentrums Osttirol, einen Überblick über die Tätigkeit seines Vereins – Unterstützung der bergsportbegeisterten Kinder, Jugendlichen und Erwachsenen im Bezirk und in besonderer Weise auch die Errichtung von Boulderwänden in Kindergärten, Schulen und öffentlichen Gebäuden.

Die Naturgefahren in den Alpen und wie diese mit dem Klimawandel zusammenhängen könnten, war Thema des spannenden Vortrages von Dr. Rudolf Sailer vom Institut für Geographie an der Universität Innsbruck. „Hat der Klimawandel schon begonnen?“, titelte eine Zeitung vor kurzem. „Über solche Überschriften kann man natürlich nur lachen“, so der Wissenschaftler. „Kalt- und Warmphasen hat es selbstverständlich immer schon gegeben – momentan befinden wir uns in einer Warmphase.“ So sei der Klimawandel nicht nur eine Geschichte der Temperaturänderung, sondern auch viele andere Faktoren – wie etwa die Änderung des Niederschlages – hätten Einfluss auf das Weltklima. Was hat der Klimawandel mit Naturgefahren zu tun? Oder ist der Klimawandel selbst eine Gefahr? „Es gibt Naturereignisse, die sich eher unbeeindruckt vom Wetter zeigen – wie etwa der Vulkanismus, Erdbeben und Tsunamis“, erklärte Sailer. Lawinen, Fels- und Eisstürze, Muren – also gerade Naturgefahren, die uns im Hochgebirge besonders betreffen – stehen hingegen in direkter Abhängigkeit zur Änderung des Klimas. „Wenn sich die Gletscher aufgrund der erhöhten Temperatur zurückziehen, beobachten wir ein verstärktes Auftreten von Felsstürzen. Das Ausschmelzen des Permafrostes verstärkt diesen Effekt.“ Auch zu Waldbränden könnte es in unseren Breiten durch das wärmere und vor allem trockenere Wetter in Zukunft häufiger kommen. „Die Waldbrandgefahr steigt und eine Folge davon ist das Fehlen des Schutzwaldes“, wies der Wissenschaftler auf Naturereignisse hin, die wir in Tirol noch nicht so kennen, die aber – wenn sie häufiger auftreten – Gefahr für den Siedlungs- und den Freizeitbereich bedeuten.

Das Team um Rudolf Sailer beobachtet derzeit bei einem Forschungsprojekt im Zillertal das Abschmelzen des Permafrostes und das Auftreten von Muren, Hang- und Wegrutschungen, sowie von Gletscher- und Felsstürzen. Aus den Ergebnissen soll ein Bergwegekonzept für die Region entwickelt werden. „Klimaänderung ist an und für sich nichts Schlimmes, wir wollen aber sensibilisieren. Bergführer beispielsweise müssen sich auf die geänderten Verhältnisse einstellen, aber auch Organisationen, die die Wege im Gebirge warten, sanieren und erhalten“, erklärte Sailer. Anschließend gab der Wissenschaftler noch einen Überblick über das hochinteressante Thema „Laserscanning“. Vor Ort, aber auch aus der Luft wird das ganze Land – vor allem auch die Gletscherregionen – punktgenau vermessen. „Beim Laserscanning ist neben technischem Know-how auch viel manuelle Arbeit erforderlich“, so Sailer, der auch im „alpS – Centre for Climate Change Adaption Technologies“ forscht.

„Es hat sich gelohnt, auch in Osttirol erstmals an der Nacht der Forschung teilzunehmen. Unsere Besucher konnten beim Vortrag von Dr. Rudolf Sailer eine Zeitlang in die wunderbare Welt der Wissenschaft eintauchen. Die Entscheidung, die Geologie und die Naturgefahren bei uns in den Bergen für einen Abend in den Mittelpunkt zu stellen, war genau richtig“, zeigte sich Manuela Gritzer von der Standortagentur Tirol am Ende der Nacht der Forschung, Bildung und Innovation begeistert.

Text und Foto: Raimund Mühlburger
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