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vlnr.: Bernhard Hofer (Geschäftsführer Oncotyrol) und Dr. Oswald Mayr (Vorsitzender der Eduard-Wallnöfer-Stiftung der Tiroler Industrie) freuen sich mit den Preisträgern Oliver Nussbaumer, Georg Grünbacher.

Eduard-Wallnöfer-Preis: Wie Immunzellen im Labor angestachelt werden

13.12.2011
Oncotyrol-Nachwuchsforscher gewinnen Eduard-Wallnöfer-Preis für Forschung

Den beiden jungen Oncotyrol-Wissenschaftlern Georg Grünbacher und Oliver Nussbaumer ist heute der Eduard-Wallnöfer-Preis für Forschung verliehen worden. Damit würdigte das Preiskommitee ihre Arbeit an der Entwicklung einer wirkungsvollen Immuntherapie gegen Krebs. Die Erfindung der beiden Forscher ist auch im Rahmen von Oncotyrol zum Patent angemeldet. Somit ist der erste Schritt auf dem Weg zur Vermarktung eines Therapeutikums erfolgt – was wiederum die Voraussetzung dafür ist, dass die Immuntherapie letztlich auch beim Patienten ankommt.

Grünbacher und Nussbaumer arbeiten in Oncotyrol unter Anleitung von Martin Thurnher (Medizinischen Universität Innsbruck) daran, körpereigene Schutzmechanismen für die Tumorabwehr zu stärken. Im Zentrum ihres Interesses stehen dabei die dendritischen Zellen - sozusagen die Sensoren des Immunsystems. Ihre Feinfühligkeit und Achtsamkeit beschützt das harmonische Gleichgewicht des Organismus, sprich: soll Krebs von innen heraus bekämpft werden, sind es die dendritischen Zellen, die in Gang gesetzt werden müssen.

Die Möglichkeit der Umsetzung galt lange Zeit als nicht durchführbar. Zu gering die Chance, dass sich ein industrieller Investor finden ließe, der darauf basierende Therapien auf den Markt bringt. In jüngster Zeit aber keimt Hoffnung auf. In den USA ist die erste auf dendritischen Zellen basierende Krebstherapie bereits zugelassen und wird von einer amerikanischen Firma vermarktet. Ralph Steinman, der das Potential der dendritischen Zellen als erster erkannte, hat für seine Entdeckungen in diesem Jahr den Nobelpreis für Medizin bekommen. Steinman ist tragischerweise kurz vor Verleihung des Preises seinem eigenen Krebsleiden erlegen. Beide Aspekte, das Vermächtnis von Steinman und die Umsetzung in die Praxis, werden in Oncotyrol gezielt vorangetrieben – besonders durch die Arbeit der beiden heute gewürdigten Preisträger.

Geheimrezept Antikörper

Die Oncotyrol-Wissenschaftler betätigen sich als „Züchter“ für Immunzellen. Sie probieren, welche Stoffe Immunzellen guttun, welche sie bremsen und wie sich die Zellen nach Zugabe bestimmter Substanzen verändern. Man versucht die Eigenschaften der Zellen zu optimieren und die Favoriten zu vermehren, insbesondere jene, die im Kampf gegen Krebs Erfolg versprechen.

Im Zuge dieser Experimente sind sie auf eine Methode gestoßen, mit der man dendritische Zellen außerhalb des Körpers so richtig in Fahrt bringen kann. Der Trick: Man gebe ihnen CD1b-Antikörper und den Botenstoff Interleukin-2. „Eigentlich war es ein Zufallsbefund“, erinnert sich Thurnher und ergänzt: „Wir hatten sogar eher damit gerechnet, dass der Antikörper hemmend wirkt. Dann haben wir aber ganz überrascht festgestellt, dass er die dendritischen Zellen aktiviert, und dass diese dann eine ganz massive Kettenreaktion auslösen. Sie regen insbesondere die natürlichen Killerzellen und die Gamma-Delta-T-Zellen zur Vermehrung an. Diese kommen im Blut normalerweise nur in kleiner Zahl vor. Sie sind aber extrem wichtig im Kampf gegen den Tumor. Bisher ist noch niemand auf diese Art der Immunstimulierung mit Antikörpern gekommen.“

Verkünden wie der Feind aussieht

Die Entdeckung eröffnet eine Vielzahl therapeutischer Anwendungen. Eine davon könnte wie folgt aussehen: Vom Patient wird Blut gewonnen. Die darin enthaltenen Immunzellen werden aktiviert und mit ihrer Hilfe werden Tumorzellen des Patienten getötet – alles außerhalb des Körpers. Übrig bleibt ein Extrakt aus Tumorbruchstücken. Mit diesem lassen sich dendritische Zellen „beladen“, das heißt sie präsentieren die Tumormerkmale als Warnsignale an ihrer Oberfläche. Gibt man die beladenen dendritischen Zellen als Impfstoff in den Körper zurück, verkünden sie überall, wie der „Feind“ aussieht, und regen das gesamte Immunsystem an, gezielt gegen den Tumor vorzugehen.

Ähnliche Therapien werden in der Oncotyrol Cell Therapy Unit bereits seit Jahren erfolgreich durchgeführt, allerdings sehen die Forscher in ihren neuen Entdeckungen deutliche Möglichkeiten, die Therapien noch wirkungsvoller zu machen.

Bernhard Hofer, Geschäftsführer von Oncotyrol, freut sich über den Erfolg seiner Mitarbeiter. „Wir machen immer wieder die Erfahrung, dass die angewandte, verwertungsnahe Forschung, wie sie in Oncotyrol stattfindet, jungen Wissenschaftlern tolle Möglichkeiten bietet. Es ist für sie sehr befriedigend mitzuerleben, wie die eigenen Forschungsergebnisse den Weg in die praktische Umsetzung antreten“, sagte Hofer am Rande der Preisverleihung.

An dem Oncotyrol-Forschungsprojekt zu dendritischen Zellen sind neben den Tiroler Landeskrankenanstalten Tilak auch die deutschen Firmenpartner Miltenyi Biotec und CellGenix beteiligt. Ralph Steinman war bis zu seinem Tod assoziierter Partner im Projekt. Das Projekt wird von Martin Thurnher gemeinsam mit Nikolaus Romani, ebenfalls Medizinische Universität Innsbruck, geleitet. Die preisgekrönten Arbeiten basieren auf Vorarbeiten, die im Rahmen des Kompetenzzentrums Medizin Tirol (KMT) entwickelt und in Oncotyrol weitergeführt wurden. KMT wurde, wie heute Oncotyrol, von der Firma Cemit gemanagt.

Hintergrundinformationen

Eduard-Wallnöfer-Preis
Die Eduard-Wallnöfer-Stiftung der Tiroler Industrie verleiht alljährlich den "Eduard-Wallnöfer-Preis für Forschungs- und Studienprojekte". Gegenstand der Auszeichnung sind Forschungs- und Studienprojekte junger Tiroler und Südtiroler, die im weitesten Sinne im Interesse des Landes Tirol (aller drei Landesteile) liegen und seiner sozialen, kulturellen oder wirtschaftlichen Weiterentwicklung nutzbar gemacht werden können.

Oncotyrol
ist ein Verbund von Partnern aus Wirtschaft und Wissenschaft zur beschleunigten Entwicklung individualisierter Krebstherapien, sowie prognostischer und präventiver Methoden. Im Bereich der Wissenschaft stehen die drei Tiroler Universitäten im Zentrum. Sie arbeiten mit internationalen Wissenschaftspartnern zusammen. Auf Seiten der Wirtschaft sind regionale, überregionale und international agierende Konzerne beteiligt.
Oncotyrol wird im Rahmen des Strukturprogramms COMET - Competence Centers for Excellent Technologies durch die österreichischen Bundesministerien für Technologie (BMVIT) und Wirtschaft (BMWFJ) und durch das Bundesland Tirol gefördert. Das Programm COMET wird von der österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft FFG abgewickelt.

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