Foto: Standortagentur Tirol

Informationen aus erster Hand

Rückschau: Functional Food oder Phytopharmaka?

26.09.2011
Pflanzliche Wirkstoffe auf dem Vormarsch

Ein wesentlicher Zweck der Veranstaltung war es, den Lebensmittel-Bereich, seine Definitionen und regulatorischen Anforderungen näher kennenzulernen.

Mag. Markus Zsivkovits von der Österreichischen Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit GmbH (AGES Wien) vermittelte mit seinem Vortrag Information aus erster Hand. Er stellte äußerst anschaulich dar, welche Produktkategorien es im Lebensmittelrecht gibt und wie diese gegeneinander abgegrenzt sind. Eine wesentliche Erkenntnis der Veranstaltung war für viele Zuhörer/innen, dass sogenannte Funktionelle Lebensmittel - also Lebensmittel, die neben dem Nährwert einen zusätzlichen gesundheitlichen Nutzen bringen sollen - in Europa nicht gesetzlich definiert sind. Der Begriff „Functional Food“ taucht bislang in keiner europäischen Rechtsnorm auf. Die entsprechenden Produkte fallen unter das allgemeine Lebensmittelrecht beziehungsweise unter die Rahmenrichtlinien für diätische Erzeugnisse. Bei Nährstoffen oder Lebensmitteln, die in der EU vor 15. Mai 1997 nicht in nennenswertem Umfang verzehrt wurden, greift die Novel Food Verordnung. Diese Produkte sind zulassungs- bzw. notifizierungspflichtig, und werden von der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) mit Sitz in Parma einer äußerst strengen Prüfung unterzogen, die nur ein geringer Teil der eingebrachten Produkte übersteht. Expertise aus dem pharmazeutischen Bereich ist dabei grundsätzlich kaum auf den Lebensmittelbereich zu übertragen, da die Regelwerke zu unterschiedlich sind.

Spannend war es auch, einen „Großen“ der Branche, DSM mit Hauptsitz in den Niederlanden, kennenlernen zu können. Dr. Claus Kilpert von DSM Nutricional Products in der Schweiz gab Einblick in das Produktportfolio des Weltmarktführers im Bereich Nahrungsmittelbestandteile wie Vitamine, Carotinoide, Enzyme und vieles mehr.

Ein weiterer Schwerpunkt wurde in der Veranstaltung auch durch den dritten Referenten, Univ.-Doz. Pidder Jansen-Dürr vom Institut für Biomedizinische Alternsforschung Innsbruck, gesetzt: Sein Vortrag über die mögliche Beeinflussung des menschlichen Alterungsprozesses durch pflanzliche Wirkstoffe wurde von der Zuhörerschaft mit großem Interesse aufgenommen. Die Arbeitsgruppe von Dr. Jansen-Dürr erforscht unter anderem die anti-oxidative Kapazität von Pflanzenextrakten. Jungbrunnen-Produkt mit durchschlagender Wirkung ist aber leider noch keines am Markt erhältlich. Vielmehr wurde durch den Vortrag klar, dass der Alterungsprozess beim Menschen komplex und dementsprechend schwierig zu beeinflussen ist.

Beim abschliessenden Round Table stellte Prof. Katrin Bach (MCI - Management Center Innsbruck) den neuen MCI-Lehrgang Lebensmittel- und Rohstofftechnologie vor, der im Herbst starten 2011 wird.

Univ.-Prof. Dr. Hermann Stuppner, Institut für Pharmazie der Universität Innsbruck, ergänzte mit seiner ausgezeichneten Expertise im Bereich pflanzliche Wirkstoffe und Phytopharmaka den Kreis inhaltlich. Erste Ideen wurden entwickelt, wie Tirol mit seinen alpinen Gegebenheiten im Bereich pflanzliche Wirkstoffe mehr Profil entwickeln könnte.

 

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