Studienreise zur ITB

Rückblick: ITB Studienreise Medizin- und Gesundheitstourismus

19.03.2015
Aufschlussreiche Einblicke in die unterschiedlichen Strategien zu Gesundheits- und Medizintourismus brachte die Studienreise des Clusters Wellness zur ITB Berlin.

Der Cluster Wellness Tirol veranstaltete dieses Jahr zum ersten Mal eine Studienreise zur ITB Berlin. Ziel der Reise war es bekannte Destinationen, die im Bereich Gesundheits- und/oder Medizintourismus tätig sind kennenzulernen und mehr über deren Angebot und Entwicklungen zu erfahren.


Österreich - "ankommen und aufleben"

Im Rahmen des Österreich-Abend wurde die 8-köpfige Delegation des Cluster Wellness Tirol von Frau Petra Stolba, der Geschäftsführerin der Österreich Werbung persönlich begrüßt und zum aktiven Expertenaustausch eingeladen. Die Österreich Werbung vermarktet das Nischenthema Gesundheitstourismus nicht explizit, sondern transportiert durch ihre Markenstrategie Werte, die dem ganzheitlichen und nachhaltigen Gesundheits- und Wohlfühlgedankens entsprechen. Wie Achtsamkeit, Regeneration, Natur und Lebensfreude (weitere Informationen zu den Markenwerten).


"Brandenburg entspannt"

Demgegenüber setzt die Region Brandenburg mit seinen 50 Wellnesshotels auf „mentale Wellness“: Unter dem Slogan „Brandenburg entspannt“ vernetzen sich Wellnesshotels und Thermen, Kurorte und Gesundheitszentren zu einem Verbund, einer Art Clusternetzwerk, und bieten ihre Angebote gemeinsam an. In der Bewerbung und Vermarktung dieser Angebote setzt das Netzwerk aus direkt buchbare Angebote sowie intensive Medienarbeit. Dabei wird bewusst der Begriff „Gesundheit“ vermieden, um bei Gästen und Kunden das damit verbundene Begriffsgegenüber „Krankheit“ nicht in den Mittelpunkt der Wahrnehmung zu rücken. So sollen Themen wie Entspannung, Erholung und Wellness bespielt und mit gesundheitsrelevanten Inhalten aufgewertet werden (weitere Informationen zu "Brandenburg entspannt").


Niedersachsen: "Gesundheitsreisen und Wohlfühlurlaub"

Neben Nachhaltigkeit und „Tourismus für alle“ baut Niedersachsen seine Tourismusstrategie rund um Klinik/Patienten/Kurtourismus sowie Gesundheit/Fitness/Aktiv und Wellnessurlaub auf der Säule Gesundheitstourismus auf. Eingebunden in diese Strategie sind 111 Heilbäder, Kur- und Erholungsorte, davon 38 hochprädikatisierte Heilbäder und Kurorte, 7 Nordseebäder, 16 Luftkurorte und 53 Erholungs-/Küstenbadeorte. Von den 40 Mio. Nächtigungen in Niedersachen pro Jahr finden 48% in Heilbädern und Kurorten statt und 5 Mio. in Rehakliniken. Die Tourismus Marketing Niedersachsen Gmbh (TMN) nutzt das Thema Wellness als Türöffner, denn wie in Brandenburg wurde auch hier festgestellt, dass Gesundheitstourismus sich nicht über „Gesundheit“ direkt verkaufen lässt, sondern über Themen wie „Zeit für sich selbst“, „sich selbst finden“ und „mit der Natur im Einklang sein“. Der niedersächsische Gesundheitsurlauber ist 35+, im Paar- oder Einzelurlaub, Hedonist und verlangt eine hohe Servicequalität (weitere Informationen zum Gesundheitstourismus in Niedersachsen).


Mecklenburg Vorpommern – „Sonne, Seeluft, Salz und Ruhe. Erholung für alle Sinne“

Große Ziele setzt sich Mecklenburg Vorpommern: Der Tourismus zählt 29 Mio. Nächtigungen jährlich und verfügt über 150 Wellnesshotels, wovon rund ein Drittel vom deutschen Wellnessverband zertifiziert sind. 2012 formulierte die Region einen Praxisleitfaden für „Gesundheitstourismus für Mecklenburg-Vorpommern“, laut dem bis 2020 die Destination mit dem Kompetenzdreieck Wellness – Prävention – Rehabilitation als führende Region für präventive Gesundheitsmaßnahmen (eigenverantwortliche Maßnahmen sowie betriebliches Gesundheitsmanagement) etabliert werden soll. Dabei setzt die Region auf natürliche ortsgebundene Heilmittel wie Sole, Kreide, Moor etc., ein gesundheitsförderndes Reizklima, beste Umweltbedingungen (intakte Naturlandschaften, gute Wasserqualität, Sonnenreichtum), sauerstoffspendende Wälder, nahezu emissionsfreie Luft, qualitativ hochwertige und moderne Hotellerie-, Klinik-, Rehabilitations- und Bäderinfrastruktur sowie auf qualifiziertes Personal und seine führende Position in der europäischen Bädertradition. Zudem setzt Mecklenburg Vorpommern im Projekt „Heilwälder“ auf sein besonderes Mikroklima, also die allergenarme, sauerstoffreiche Luft und die beruhigende Wirkung der besonderen Lichtverhältnisse, die sich für eine therapeutische Nutzung bei psychosomatischen, Herz-Kreislauf- und Atemwegserkrankungen oder auch Zivilisationskrankheiten wie Stress, Burnout und Adipositas hervorragend eignen (weitere Informationen zu Gesundheitsurlaub in Mecklenburg Vorpommern).


Ungarn setzt auf „Urlaub vom Schmerz“

Ungarn zählt mit 17 Kurorten, 83 Heilbädern und mehr als 200 Thermalhotels zu einer der Top-Gesundheitsdestinationen Europas. Aus alter Bäderkultur entstand (auch durch den starken österreichischen Einfluss) eine umfangreiche Wellnesskultur, die in den letzten Jahren weiterentwickelt und modernisiert wurde. Ungarn wirbt mit dem Slogan „Urlaub vom Schmerz“ klar Richtung Medizintourismus. Verschiedenste Kuranwendungen, ambulante Eingriffe und plastische Chirurgie erfreuen sich großer Beliebtheit. Prädestiniert für Prävention und Rehabilitation sind die vielen Heilquellen wie der größte Heilsee der Welt – Bad Héviz (im Bild). Mit einer Fläche von 4,4 ha ist der Thermalsee das größte natürliche Heilgewässer der Welt. Aus 38 m Tiefe strömen pro Sekunde 410 Liter warmes Wasser aus der Erde. Das Wasser ist reich an Schwefel, Kalzium und Magnesium und verspricht Linderung besonders bei Beschwerden des Bewegungsapparates.

Es sind vor allem Gäste aus Deutschland, Österreich und Russland, die nach Ungarn kommen. Eine für die ausgeprägte Positionierung Ungarns als Gesundheitsregion beispielhafte Kundenorientierung ist die Hausabholung für Gäste. Gegen einen minimalen Betrag werden Gäste von zu Hause abgeholt und während der gesamten Reise betreut, was einen massiven Anstieg der Buchungen mit sich brachte. Auch die neue EU-Patientenmobilitätsrichtlinie wird in Ungarn intensiv aufgegriffen und beraten, was sich ebenfalls in den Buchungen niederschlägt (mehr Informationen zum Gesundheitstourismus in Ungarn).

 

 

Lettland empfiehlt: "Nimm dir Zeit"

Lettland verfügt neben einem ausgeprägten Kulturtourismus, Naturtourismus, Stadttourismus auch über touristische Medizin/Wellness-Angebote. Der Fokus der Angebote liegt auf Rehabilitation, Geburtenhilfe, (plastischer) Chirurgie sowie Prävention. Jurmala, der lettische Badeort an der Ostsee, hat sich in den letzten Jahrzehnten zum Konglomerat der Wellnesshotel mit teils medizinischen Angeboten entwickelt. Noch fehlt Lettland eine Landesstrategie mit klaren Maßnahmen zur Entwicklung des Gesundheitstourismus, jedoch sind die bestehende Infrastruktur, die intakte Natur und die wunderbare Ostsee beste Voraussetzungen für eine nachhaltige Entwicklung. Der Lettische Gesundheitscluster koordiniert und vermarktet bestehende Angebote (weitere Informationen zum Tourismus in Lettland).

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