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· Tätigkeitsbericht 2016 ·

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Interview

Sporttechnologien, den Freizeitbereich und

IT konzentriert und ein positives Feedback

bekommen. Die Gäste haben wir zwei Tage

betreut, dabei den Standort und die Mög-

lichkeiten, die Tirol für Kooperationen und

Ansiedlungen bietet, präsentiert. Zudem gab

es einen Ausstellungsbereich für Start-ups und

bestehende Unternehmen.

Sie sprechen die Sporttechnologie an:

Mit Armada, Black Diamond, der Leitner

Gruppe und TechnoAlpin siedelten sich in

den letzten Jahren Unternehmen aus die-

sem Segment in Tirol an. Ist dieser Bereich

generell ein Zukunftsmarkt für Tirol –

auch in der Ansiedlungspolitik?

Harald Gohm: Im Bereich Sporttechnologie

haben wir ein spannendes Kompetenzfeld

mit etablierten Unternehmen und starker

Forschung. Gemeinsam mit der Universität

Innsbruck arbeiten wir an einer Studie, um

diese Kompetenzen und das Potenzial aufzu-

zeigen. Es passt auch zu Tirol, als Produzent

dieser Technologien am Standort ist man ja

schon kompetent, das Produkt ist gut, weil

Tirol dahintersteht. So wie ein Computer aus

dem Silicon Valley schon per se nicht schlecht

sein wird.

Mit Black Diamond hat sich eine in-

ternationale Top-Marke für Innsbruck

entschieden. Hat das ein neues Licht auf

die eigenen Kompetenzen am Standort

geworfen?

Harald Gohm: Das ist ähnlich wie beim

COWO Tirol. Man sucht außerhalb der Box,

was es denn geben kann, das Naheliegende

sieht man oft nicht. Black Diamond passt zu

uns, sie haben die Bilder der Marke Inns-

bruck, der Marke Tirol gesehen, das neue

Kletterzentrum, die Kletter-WM – und haben

gesagt: Das ist der richtige Standort für uns.

Bei vielen Sachen, ob Krebsforschung oder

Informatik, fehlt oft der Bezug, das gibt es in

Heidelberg und in den USA. Aber was sind

wir? Natürlich auch alpiner Raum, dezentrale

Region, Sicherheit, sorgsamer Umgang mit

Ressourcen, Sport- und Freizeitindustrie. Da

gibt es klare Kompetenzen und tolle Firmen,

das müssen wir mehr nach außen kommuni-

zieren und uns im Land darum kümmern.

Im Land startete das Jahr 2017 mit der Prä-

sentation des Lebensraums Tirol 4.0. Wie

wird bzw. soll sich die Standortagentur

Tirol in diese Zukunftsvision einbringen?

Harald Gohm: Im Vorfeld gab es intensive

Arbeiten und von Seiten des Landeshaupt-

manns Günther Platter den Wunsch nach

mehr Vernetzung der Einrichtungen, die sich

mit der Marke Tirol beschäftigen, darüber

hinaus aber auch mit den Institutionen,

die einen Beitrag zur Standortentwicklung

leisten. Dabei soll nicht nur, wie Landeshaupt-

mann-Stellvertreterin Ingrid Felipe gemeint

hat, aufgrund persönlicher Beziehungen,

sondern strukturiert an Themen gearbeitet

werden, die Tirol weiterbringen. Es konnte

eine hochkarätige Personengruppe aus Indus-

trie, Wirtschaft und Wissenschaft gewonnen

werden, die sich hier einbringt. Als Standor-

tagentur Tirol haben wir das Feld der smarten

Region übertragen bekommen, in der wir

Tirol zukunftsfähig – Stichworte Digitalisie-

rung, Breitbandvernetzung, Energie – machen

und im Sinne der Marke durch spannende

Projekte international positionieren sollen.

Interview

wohnbesitzer auch als

Investoren und mögliche

Business Angels für lo-

kale Start-ups zu nutzen

versuchen. Wir punkten

mit ländlichem Raum,

entspannter Atmosphäre, Lockerheit etc.

Im Oktober 2016 stellten Sie die heimische

Start-ups in Wien nationalen Investoren

vor. Nimmt man im Osten Österreichs die

Tiroler Start-up-Szene – auch für poten-

zielle Investments – wahr?

Harald Gohm: Über diverse Programme und

Aktionen mit vielen Partnern – Universität,

Werkstätte Wattens, I.E.C.T. Hermann Hauser,

private Investoren etc. – ist es im letzten Jahr

gelungen, österreichweit sehr stark aufzu-

zeigen. Es ist etwas da, eine gute Vernetzung,

gute Player etc. An dem sollten wir auch

festhalten, neue Produkte dafür entwickeln,

auch wenn Start-ups derzeit sicherlich ein

Hype sind.

Was wird vom Start-up-Hype bleiben? Ist

es eine nachhaltige Entwicklung?

Harald Gohm: Das Denken der nächsten

Generation hat sich gewandelt. Das Thema

Selbstständigkeit wird zur Selbstverständlich-

keit, es ist klar im Lebensplan enthalten, mit

vielen Hoffnungen, mitunter auch mit nicht

erfüllten Erwartungen. Unternehmertum und

Entrepreneurship sind positiver konnotiert als

früher. Die etablierten Unternehmen schauen

darauf, was Start-ups machen, wollen von

ihnen lernen.

Stichwort Start-ups. Vor etwa einem drei-

viertel Jahr wurde der Verein Startup.Tirol

aus der Taufe gehoben. Wie geht es ihm?

Harald Gohm: Wir haben in der Vergan-

genheit viele Gründerinitiativen mitbegleitet.

Es passiert viel in Tirol, was vielleicht zu

einer gewissen Unüber-

sichtlichkeit geführt

hat. Startup.Tirol war

der Gedanke, dass ein

gemeinsames Vorgehen

uns weiterbringen wird,

und wir daher alle wesentlichen Player in eine

Vereinsinitiative bringen sollten. Der Verein

wurde in Alpbach präsentiert, er hat sich Ziele

gesetzt, die auch – an der Zahl der begleiteten

Gründungen und geschaffenen Arbeitsplätze

– messbar sein sollen. Faszinierend ist dabei

die Idee des Mentorennetzwerks. Der Verein

hat die rechtlichen Hürden hinter sich, hat mit

Wirtschaftskammer, Universität, Werkstätte

Wattens, dem I.E.C.T. um Hermann Hauser

gute Partner, mit Harald Oberrauch auch

einen „grenzüberschreitenden“ Vorsitzenden.

Mit Startup.Euregio denkt man schon

über den Brenner hinaus.

Harald Gohm: Das ist ein dreijähriges In-

terreg-Projekt mit einem Volumen von einer

Million Euro, das im Februar gestartet ist.

Gemeinsam mit Südtirol und dem Trentino

sollen in der Euregio – immerhin eine Region

mit rund 1,8 Millionen Einwohnern – ent-

sprechende Instrumente, spannende Formate

und eine stärkere Vernetzung für den Grün-

dungsbereich aufgebaut werden. 750.000 Euro

werden dabei von der EU finanziert.

Sie waren gerade in St. Moritz, der Wirt-

schaftsstandort Tirol präsentierte sich

mit unternehmerischem Know-how. Ihr

Rückblick auf diesen Tag im TirolBerg?

Harald Gohm: Wir waren – in Kooperation

mit der Tirol Werbung – schon bei mehre-

ren Sport-Großveranstaltungen, haben auch

beim Konzept mitgewirkt. Unser exklusives

B2B-Meeting war mit über 40 Gästen aus dem

süddeutschen Raum, aus Norditalien und der

Schweiz sehr erfolgreich. Wir haben uns auf

Das Thema

Selbstständigkeit wird zur

Selbstverständlichkeit.