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· Tätigkeitsbericht 2016 ·
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Betriebsansiedlung
Wie kann man Gäste, aber auch Mitarbeiter und Lieferanten
enger ans eigene Lokal binden, ist die Frage, die Cheers.House mit
seiner Relationship-Management-Plattform beantworten will.
Betriebsansiedlung
Vermehrt auf Gastfreundschaft setzt man auch bei
der Standortagentur Tirol, wenn es um Betriebsan-
siedlung geht. 104 interessierte Unternehmen wurden
im Jahr von der Abteilung Betriebsansiedlung betreut,
man unterstützte etwa Serenissima bei der Bürosuche,
legte Kontakte zu Steuerberatern, gab Informationen
zum Gründen in Österreich. Speed U Up hat sich schon
intensiv mit dem Cluster IT Tirol vernetzt, gemeinsam arbeitet
man mit weiteren Partnern am Aufbau einer Task-Force für etou-
rism. In den letzten Jahren wurden potenzielle Ansiedler vor allem
im Ausland informiert, nun setzt man verstärkt auf Incoming-Events.
„Vor Ort in Tirol vermitteln wir Chancen am Standort Tirol nicht nur
wirkungsvoller als im Ausland, vor allem aber können interessierte
Unternehmen Tiroler Lebensqualität und Lebensgefühl erleben, die
für Standortentscheidungen der Zukunft immer wichtiger werden“,
berichtet Harald Gohm: „Als besonders vielversprechende Gäste haben
wir junge Wachstumsunternehmen mit Verbindung zu bestehenden
Stärkefeldern identifiziert. Diese Unternehmen sind standortflexibler
als etablierte Unternehmen und finden für ihre neuen Technologien in
Tirol auch einen attraktiven Heimmarkt vor.“
Der attraktive Heimmarkt ist für Taj Johnston-Montesano und sein
Cheers.House-Team der ländliche Gastronomie-Bereich, für die neben
den Touristen auch die Einheimischen wichtige Kunden wären, aber
nicht immer Stammkunden sind. Wie kann man Gäste, aber auch Mit-
arbeiter und Lieferanten enger ans eigene Lokal binden, ist die Frage,
die Cheers.House mit seiner Relationship-Management-Plattform
beantworten will. Mit der Software des Unternehmens werden für
individualisierte Werbung Information zu Kundengewohnheiten, Er-
wartungen und Konsumgewohnheiten generiert sowie geeignete Brand
Ambassadors identifiziert. „Und die besten Botschafter, um neue Gäste
zu gewinnen, sind die Stammgäste“, ist Johnston-Montesano überzeugt,
„der Wirt weiß auch viel bzw. einiges über sie, weiß aber nicht, wie er
es umsetzen bzw. verwenden kann.“
Daher kümmert sich Cheers.House – ein international und genera-
tionenübergreifend zusammengesetztes Team – um die Beziehung
zwischen Gast und Stammlokal. Die Gäste können sich via App direkt
mit ihrer Kneipe, ihrem Lieblingsrestaurant verbinden und z.B. mit ein
paar Klicks den bevorzugten Tisch reservieren, durch regelmäßige Be-
suche, durch Konsumation und Weiterempfehlungen steigt der eigene
Status, was wiederum zu gewissen Privilegien führt. „Für den Lokalbe-
sitzer geht es um mehr, um die Analyse der Daten, um besser auf seine
Gäste zugehen zu können“, sagt der Cheers.House-Gründer. Den ersten
Testbetrieb habe man mit einem befreundeten Lokal in Wien durchge-
führt, erzählt Johnston-Montesano, der Wirt wäre sehr erstaunt über
die Datenanalyse gewesen. Welcher Gast kommt wie oft, was konsu-
Tirol geht, 2015 war Italien mit elf Ansiedelungen
Spitzenreiter, 2016 wurde es von Deutschland mit
acht Unternehmenszuwanderungen abgelöst. Die
26 im vergangenen Jahr angesiedelten Betriebe
tätigen Erstinvestitionen in Höhe von 14 Millio-
nen Euro (2015: 23) und wollen in den ersten beiden
Geschäftsjahren zunächst 179 Arbeitsplätze (2015: 204)
aufbauen. Das entspricht einer durchschnittlichen Zahl von
6,8 Arbeitsplätzen pro Ansiedlung. „Die Summe der verbundenen
Erstinvestitionen bzw. Arbeitsplätze liegt trotz des hohen Anteils
junger Wachstumsunternehmen mit vorsichtiger Personalplanung
und eines hohen Anteils an Spezialisten aus dem IKT-Sektor mit
niedrigem Investitionsbedarf auf regelmäßigem Niveau“, kommentiert
Harald Gohm die Zahlen des Jahres 2016.
Vorsichtig will es auch Uwe Sima angehen, ab April soll ihn ein Senior
Sales Manager unterstützen, der Return of Invest ist mittelfristig an-
gepeilt. Erste Kunden hat Sima auch schon, räumt aber auch ein, „dass
diese bislang von Italien aus betreut worden sind“. Punkten will er in
Österreich mit der Zusammenarbeit mit Protel Austria, dem heimi-
schen Ableger der deutschen Protel, die einer der größten Hersteller
von Front-Office-Systemen ist. Protel und deren Produkte kennt
Serenissima aus Italien, ist man doch dort Exklusivpartner und hat
in der langjährigen Zusammenarbeit Produkte entwickelt, die fix im
Protel-System integriert bzw. optimal darauf abgestimmt sind. So wie
iSelz, ein Kassensystem, das mit iPhones oder iPads kompatibel ist. „In
Italien und Spanien ist das schon Usus, Österreich hinkt dabei etwas
hinter her“, weiß Sima über das Alleinstellungsmerkmal von Serenis-
sima. Der Vorteil des Systems ist einfach ein finanzieller, es braucht
keine speziellen tragbaren Kassensysteme mehr: „Für den Preis von
einem kann man mehrere iPads kaufen.“ Zudem, fügt Sima hinzu,
könne der Unternehmer bei Cloud-Systemen via App von überall
darauf zugreifen.
Für größere Kunden mit z.B. mehreren Hotels kann Sima noch auf
einen weiteren Vorteil der Protel-Serenissima-Kombination ver-
weisen: „Das System hat nur eine Datenbank, auf die alle Hotels
zugreifen.“ Der Gast existiert somit nur einmal, seine Daten, Gewohn-
heiten, Wünsche etc. sind abrufbar und, so Sima, auch für persönlich
adressiertes Marketing anwendbar. Hierzu können dann die Zusatz-
produkte, wie ein maßgeschneidertes CRM-System von Serenissima,
verwendet werden. Um einen persönlichen Kontakt geht es auch Taj
Johnston-Montesano, mit „Business of Belonging“ beschreibt der
Kalifornier das erweiterte Kundenbindungssystem von Cheers.House.
Gegründet in Cork suchte das irische Start-up den optimalen Platz in
Zentraleuropa, Österreich, im speziellen Kitzbühel hätten sich dafür
angeboten, meint Johnston-Montesano: „Es ist eine Hospitality-Area.“
Taj Johnston-Montesano
Managing Director Cheers.House