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· Tätigkeitsbericht 2016 ·

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Förderberatung

W

enn es um weißen Rauch geht, scheut

selbst der Vatikan keine Mühe und

greift auf chemische Hilfsmittel zurück:

Kaliumperchlorat, Laktose und Kolophonium, ein

gelbes Baumharz aus Kiefern, Fichten oder Tannen,

werden den Stimmzetteln beigemischt, ehe diese im

Ofen verbrannt werden und so via weißen Rauch der

Welt verkünden: „Habemus papam.“ Auch Marcel

Huber scheute keine Mühe, um weißen Rauch zu

produzieren, nur geht es ihm nicht um eine päpstliche

Botschaft, sondern um die hocheffiziente Arbeit von

Holzgaskraftwerken. Sein weißer Rauch entsteigt dem

Schornstein, „weil das Abgas soweit thermisch genutzt,

sprich abgekühlt wird, bis das darin enthaltene Wasser

kondensiert und damit Wasserdampf als weißer Rauch

sichtbar wird.“ Seit Jänner 2017 läuft am IKB-Areal in

der Rossau ein modernes Holzkraftwerk im Test-

betrieb, dahinter steckt, gibt Marcel Huber zu, viel

Entwicklungszeit, die er „mit einem tollen Team“, aber

auch mit Hilfe von Förderungen durch Land (K-Regio)

und Bund (aws, FFG) überstehen konnte. Ausgangs-

punkt war eine Diplomarbeit im Jahr 2002, in einer

Zeit also, in der GE in Jenbach noch unter dem Namen

Jenbacher Werke firmierte.

„Es ging damals darum, für Jenbacher Systeme zu ent-

wickeln, damit ihre Gasmotoren mit unterschiedlichen

Gasen arbeiten können“, blickt der Tiroler zurück.

Besonders faszinierte ihn die Idee, Holz als erneuerba-

re Energiequelle zu nutzen. Diese Idee verfolgte Huber

nach Studienabschluss ab 2004 als wissenschaftlicher

Mitarbeiter am MCI weiter, die Holzkraftwerke seiner

Vorstellung sollten der Wärme- und Stromgewinnung

dienen, aber auch kleindimensioniert sein, um dezen-

tral vorhandene (Holz-)Ressourcen nutzen zu können.

2006 entwickelte Marcel Huber einen Schwebefest-

bettvergaser, 2007 kam es zur Gründung des Spin-

Offs Syncraft, 2009 nahm am Gelände der Stadtwerke

Schwaz der Prototyp des Syncraft-Holzgaskraftwerks

seinen Betrieb auf. „Die patentierte Schwebebetttech-

nologie war damals zwar noch nicht fertig, die heute

eingesetzte ähnelt aber sehr stark der damals entwi-

ckelten Anlage“, sagt Huber.

2009 startete Syncraft gemeinsam mit den Stadtwer-

ken Schwaz, den Thöni Industriebetrieben und dem

MCI mit „PowerBox“ ein Projekt im Rahmen des

K-Regio-Programms des Landes Tirol. 700.000 Euro

an Fördersumme bei einem Projektvolumen von 1,6

Millionen Euro standen für drei Jahre zur Verfügung,

Ziel war es, das Produkt zur Marktreife zu bringen.

„Wir haben uns das leichter vorgestellt“, gibt Huber

im Nachhinein zu, „wir waren auch voller Euphorie

und haben unsere Technologie gleich mit anderen

Rohstoffen getestet.“ Bald hieß es aber, lacht der Syn-

craft-Chef, Schuster bleib bei deinem Leisten, denn die

Details kosteten Zeit, viel Zeit: Wie kontrolliert man,

wie wird gesteuert, wie geregelt? Insofern seien noch

„viele Spezialsachen dazu gekommen“, meint der Tech-

niker, unterschätzt habe man auch die vielen Wechsel-

wirkungen, die es bei so einer komplexen Technologie

zu berücksichtigen gelte: „Es macht einfach einen

Riesenunterschied, ob das System 100 Stunden läuft

oder ein Jahr lang im Volllastbetrieb.“

Das K-Regio PowerBox habe schließlich doch zur

Marktreife des Produkts geführt, 2012 folgte der erste

kommerzielle Prototyp im Südtiroler Vierschach, die

Entwicklungen aus dieser Anlage flossen direkt in die

nächste Holzgasanlage in Dornbirn ein, die im Dezem-

Regionales Hackgut ist die Grundlage,

ein innovativer Schwebebettvergaser

das Herz und turboaufgeladene acht

Zylinder der Motor des Syncraft-

Holzkraftwerks, der weiße Rauch ist

Zeichen hocheffizienter thermischer

Nutzung.

Förderberatung

Für Marcel Huber ist die Syncraft-Anlage

der IKB sein Vorzeigeprojekt, dahinter

stecken eine lange Entwicklungszeit und

zwei K-Regio-Projekte, die Flaggschiffe der

Wirtschafts- und Technologieförderungen

des Landes Tirol.

Perfektes

Holzgas