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· Tätigkeitsbericht 2016 ·

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Startup.Tirol

diese ein Risiko tragen und ihnen Kosten entstehen.

Die Antwort nennt Christian Hafner einen „vertikal

integrierten Marktplatz“ – oder Fab-Atelier. „Wir unter-

stützen aufstrebende junge Designer bei der Finanzierung,

der Produktion und dem Vertrieb“, erklärt Hafner, „und

konzentrieren uns dabei auf den Schmuckbereich.“ Hinter

der scheinbar einfachen Ansage steckt ein ausgeklügeltes

Konzept. Der erste Schritt bietet Designern die Möglich-

keit, ihren Entwurf auf der FAB-Atelier-Website einzu-

reichen. Nach einem öffentlichen Online-Voting durch

die Community werden alle Designer, die mindestens 100

Votes erreicht haben, von FAB-Atelier auf ihr Potenzial be-

wertet und die Kostenschätzung für eine Produktion von

50 Stück erstellt. Mittels Vorbestellung durch die Konsu-

menten müssen mindestens 70 Prozent des Finanzbedarfs

– die Finanzierungsziele – erreicht werden. Ist dieses Ziel

erreicht, geht das Design in die Produktion.

2015 gründete ein Vier-Mann-Team Fab-Atelier, ein Jahr

Arbeit wurde in den Aufbau der Plattform gesteckt, eine

komplexe Lösung, vereint man doch einen Shop mit Vo-

ting-, Preorder und Crowdfundingsystem. Ein Jahr ohne

Umsatz, mit viel Motivation, Eigenmitteln sowie Förde-

rungen von CAST und der FFG habe man sich durchge-

kämpft. Das Ziel für 2017 ist für Christian Hafner klar:

„100 lancierte Designs, ein Umsatz von 400.000 Euro.“

Viel Überzeugungsarbeit sei es anfangs gewesen, meint

Hafner, auch bei den Designern: „Sie sagten, das sei

spannend, aber: Wo ist der Haken?“ Denn Fab-Atelier

bietet den Designern nicht wie sonst üblich drei Pro-

zent des Nettoumsatzes, „bei uns sind bis zu 20 Prozent

möglich“. Umsetzbar – und für Fab-Atelier auch über den

Verkauf gewinnbringend – ist dies, da durch die geringen

Produktionsmengen und den garantierten Absatz keine

Lagerkosten anfallen, außerdem spart man sich den Zwi-

schenhändler. Auch die Produktionswege sind kurz, die

Entwürfe werden in Wattens oder im italienischen Vicenza

umgesetzt. Gerade die regionale und nachhaltige Produk-

tion – statt in Asien – punkte bei den jungen Designern,

ebenso wie die Räumlichkeiten des Fab-Ateliers in der

Werkstätte Wattens. „Die Besucher sind von der Location

begeistert, das sei ja wie ein Berlin in den Alpen“, erzählt

Christian Hafner.

Mit seinen Kontakten hat Hafner noch eine zweite Idee

im Rahmen des Fab-Ateliers umgesetzt. „Wir wollen den

jungen Designern auch unter die Arme greifen“, sagt er.

Die meisten Designwettbewerbe würde dort aufhören, wo

die Arbeit des Fab-Ateliers erst beginnt, „ein Wettbewerb,

ein Presseevent, ein Preisgeld – und dann landet die Idee

in der Schublade“. Fab-Atelier startete schon letztes Jahr

ein Mentorenprogramm, die besten fünf Designer werden

von Profis begleitet und beim Aufbau einer eigenen Marke

unterstützt. Hafner: „Nach einem Jahr sollten sie so weit

sein, dass ihre Kollektion Umsätze macht.“

Er selbst hat mit dem Camp Zwei auch von einer Mento-

ren-Plattform profitiert. Bei dem mehrseitigen und damit

komplexen Geschäftsmodell sei es oft schwierig, die rich-

tigen Prioritäten zu erkennen. „Die Camp Zwei-Mentoren

haben uns über den Sommer geholfen, unseren Blick auf

die zum Markteintritt zentralen Fragen zu lenken und Lö-

sungen dafür zu entwickeln“, berichtet er. Vor Camp Zwei

habe er schon fünf Minuten gebraucht, um das Geschäfts-

modell von Fab-Atelier zu erklären, jetzt gehe es – fast – in

einem Satz, lacht er: „Es ist eine Challenge, sich auf das

Wesentliche zu reduzieren.“

Fab-Atelier:

– Inspiration –

– Designerin

Megan Collins –

– Produktion –

– Armreif Yucca –

Hintergrund

Innovationsorientierte Unternehmensgründungen unterstützt die

Standortagentur Tirol seit 2002 beim nachhaltigen Start ins Unter-

nehmertum. Im Berichtsjahr 2016 hat die Standortagentur Tirol

mit Partnern sowohl des privaten Sektors als auch der öffentlichen

Hand die Initiative Startup.Tirol aus der Taufe gehoben (Seite 56). Die

Startup.Tirol-Partner bieten jungen Wachstumsunternehmen syste-

matische Begleitung für die kritischsten Phasen beim Gründen – den

Markteintritt und die erste Wachstumsphase - gemeinsam an. Durch

die enge Verknüpfung von in Coachingformaten zur Verfügung ge-

stelltemWissen, dem Erfahrungsschatz aus demMentorennetzwerk

Tirol und dem Kapital aus dem Investorennetzwerk Tirol steigen die

Erfolgsaussichten von heimischen und zuziehenden Start-ups erneut.

Startup.Tirol

verloren, schlägt NeverLose Alarm, das lange, oft vergebliche Graben

im Schnee hat ein Ende: „In 80 Prozent der Fälle findet man den Ski

einfacher und schneller.“

Auf der ISPO 2015 wurde der Prototyp vorgestellt. Strassl: „Das Feed-

back war enorm.“ Mit der Innsbrucker Stasto KG fand sich ein Partner,

bei dem PowUnity in der Zwischenzeit auch eingezogen ist: „Viele

Start-ups unterschätzen den Vertrieb und planen mit zu hohen Absatz-

zahlen. Was nicht selten zu Liquiditätsengpässen führt. Wir haben das

Glück, bei unserem Partner Stasto – neben der Beteiligung an PowUni-

ty – auch auf einen bewährten Fullfillment-Prozess zurückgreifen zu

können. So können wir uns auf das wesentliche Tagesgeschäft konzen-

trieren, strategische Vertriebspartnerschaften aufbauen, Online sales

kontinuierlich ausbauen und unsere Produktinnovationen vortreiben.“

Mit dem Thermoplaste-Spezialisten Pließnig und Elektronik-Fertiger

Exceet Electronics holte man sich 2015 zwei Tiroler Unternehmen für

die Produktion mit an Bord, via Crowdfunding wurden 40.000 Dollar

ins Budget eingespielt. Zudem „injizierte“ man NeverLose noch einen

Diebstahlschutz. Ein eingebauter Bewegungssensor löst einen lauten

Alarm aus, wenn der Ski z.B. vor der Skihütte zwei, drei Meter „wan-

dert“, wird der Besitzer via Bluetooth am Handy informiert.

Im Dezember 2015 erfolgte der Markteintritt, das Konzept, diesen

so schnell durchzuziehen, ging, so Sinnegger, das zeigen auch die

gegenwärtigen Verkaufszahlen im mittleren vierstelligen Bereich.

Die ISPO 2016 brachte neue Projektideen, vor allem fürs Fahrrad, an

das NeverLose auch verschraubt werden kann. Dem gegenwärtigen

Bluetoohtstandard sind bei der aktiven Benachrichtiung des Kunden

Metergrenzen gesetzt. Strassl: „Beim Fahrrad war das ein gewisses

Hemmnis.“ Die Lösung war die Ergänzung durch GPS-Tracking, die

Alarmierung ist nun distanzunabhängig, sollte das Fahrrad doch ge-

klaut werden, kann es via GPS geortet werden – für April 2017 ist die

Marktreife vom Bike Mount Secure anvisiert. Das Launchpaket lässt

neben Bluetooth, Akustik und GPS auch Versicherungskomponenten

einfließen. „Uns war es von Anfang an wichtig, das Feedback der Kun-

den in unsere Produkte einzubinden“, betonen Strassl, Sinnegger und

der zum Team dazugestoßene Max Loy. Gutes Feedback holten sie sich

auch beim letztjährigen Business Angel Summit in Kitzbühel. Start-

up-Events wären sonst nicht so ihre Sache, beim Summit knüpften sie

aber Kontakte, die bis heute andauern. „Ich habe dort ein intensives

Gespräch mit einem Investor geführt – das waren mehr Informationen,

als man sonst in vielen Monaten erhält“, blickt Sinnegger zurück.

Starthilfe für Schmuckdesigner

Für ein Start-up hat Christian Hafner schon ein leicht fortgeschrittenes

Alter, in seiner Zeit bei Swarovski oder Silhouette hat der Anfang-40er

dafür schon mit etlichen Designschulen zusammengearbeitet. „Das

Problem ist immer das gleiche“, weiß er daher, „es gibt unendlich viele

junge Studentinnen und Studenten mit coolen Ideen und Entwürfen.

Sie wissen aber nicht, wie man finanziert, produziert und vertreibt.“

Die Frage, die er sich daher immer wieder stellte: Wie kann man mit

modernen Produktionsmöglichkeiten, Social Media und digitalen

Innovationen die Schmuckideen junger Designer umsetzen, ohne dass

Christian Hafner: „Das Ziel für 2017

sind 100 lancierte Designs und ein

Umsatz von 400.000 Euro.“