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· Tätigkeitsbericht 2016 ·
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Startup.Tirol
Powunity punktet mit sportlichen
Sicherheitssystemen: Mit
NeverLose finden sich verschüttete
Ski wieder, mit Bike Mount
Secure verloren gegangene Räder.
PowUnity-Team: Christian Strassl,
Stefan Sinnegger, Max Loy
(v.li.)
Startup.Tirol
Die zeit- und kostengünstige Lösung sind
große Einwegsäcke aus Kunststoff im Inne-
ren des Tanks, Single-Use-Produkte, nach
genauen Vorgaben aus zugelassenen Kunst-
stoffen produziert und schon vom Hersteller
sterilisiert. Doch nicht nur in großen Biore-
aktoren kommen Single-Use-Systeme zum
Einsatz, für Forschungszwecke etwa werden
viel kleinere Mengen benötigt, ein flexibles
Produzieren ist dafür notwendig. Auch am
Ende der Produktion besteht Bedarf an Sing-
le-Use-Bags. „Das Ergebnis einer Produktion
sind z.B. 200 Liter einer hochkonzentrierten
Lösung für ein Krebsmedikament. Die wird
in Beutel mit einem Volumen vom fünf Liter
abgefüllt, gelagert und transportiert“, weiß
Wurm. Es stellt sich die Frage der Sicherheit:
War der Single-Use-Bag vor der Befüllung
auch wirklich dicht? Durch ein noch so klei-
nes Loch könnten Verunreinigungen in den
an sich sterilen Bag gelangen, ein potenzielles
Risiko für Patientinnen und Patienten. Auf
der anderen Seite könnte die hochkonzent-
rierte Substanz durch ein Loch austreten, ein
potenzielles Risiko für die Umwelt.
„Es gibt noch keine Technologie, die im
Reinraum die hundertprozentige Dichtheit
eines Single-Use-Bags garantiert“, nennen
Wirtschaftsingenieur Thomas Wurm und
Johannes Kirchmair die Marktlücke, die sie
mit ihrem 2016 gegründeten Unternehmen
Single Use Support schließen wollen, flexibel
und dem Kundenwunsch entsprechend. Dabei
setzen sie auf Helium und Vakuum.
Aufgrund seiner chemischen Eigenschaf-
ten eignet sich Helium als Tracer-Gas, um
Kleinstlecks aufzuspüren. Da es in der Umge-
bungsluft auch nur in ganz geringen Mengen
vorkommt, ist eine erhöhte Konzentration
zudem leicht messbar. „Es gibt schon Dicht-
heitsmessungen mit Helium“, erzählt Wurm,
der Nachteil sei nur, dass dabei der Bag stark
aufgebläht wird, der Prüfling bei der Prüfung
sozusagen geschädigt wird. Bei der SUS-In-
novation ist das nicht der Fall. Zur Messung
im Reinraum kommt der Bag, an den schon
bei der Produktion eine Art Heliumkartusche
befestigt wird, in einen Behälter, wird auf ein
Vlies gebettet und mit einer Kunststoffhülle
umgeben. Dann wird ein Vakuum gezogen
und der Bag mit Helium gefüllt, ein im Gerät
integriertes Massenspektrometer misst einen
möglichen Heliumaustritt.
Ihr Alphagerät arbeitet schon, zwar „noch
zu kompliziert für Kunden“, wie der gelernte
Chemielaborant und MCI-Absolvent Kirch-
mair einräumt, es ist aber trotzdem schon
bei einem Kunden im Einsatz, „damit er sich
damit beschäftigen kann“, bestehen doch mit
zwei Größen der Pharmaindustrie Verträge,
um das Gerät zur Marktreife zu bringen. Die
Beta-Variante ist für September 2017 einge-
plant, gefördert über eine PreSeed-Finanzie-
rung der aws, Unterstützung beim Durchfors-
ten des Förderdschungels holten sich die zwei
Jungunternehmer bei der Standortagentur
Tirol. „Optisch fertig und mit angeschlosse-
ner Software“ ist das Ziel, drei, vier Partner
sind als Tester fürs Finetuning angepeilt,
Frühling 2018, so der ambitionierte Plan,
sollen die ersten Kunden beliefert werden.
Suchhilfe für Ski und Bike
―
Stefan Sinnegger und Christian Strassl
kannten sich gerade mal einen Tag, als sie im
Juni 2014 gemeinsam einen Tag Ski fahrend
am Gletscher verbrachten. Zeit für Gespräche
blieb auch, man unterhielt sich über das oft-
malige Problem begeisterter Tiefschneefahrer:
Wie finde ich nach einem Sturz meinen ver-
schütteten Ski? Es blieb nicht beim Gespräch,
Sinnegger und Strassl begannen sich – ge-
meinsam mit Grega Gostinčar – intensiv mit
der Thematik zu beschäftigen und hatten eine
funkende Bluetooth-Idee.
„Die ersten Teile haben wir im Internet
bestellt“, erinnert sich Sinnegger, „in wasser-
dichte Gehäuse verpackt, im Schnee einge-
graben und getestet“, ergänzt Strassl. Das
Prinzip funktionierte, vor allem als Sinnegger
die Idee hatte, das System um eine „akusti-
schen-Alarm-Komponente“ zu erweitern.
Auch technische Herausforderungen wie Was-
serdichtheit, Batterielaufzeit und Funktionali-
tät in extremen Temperaturen konnten geklärt
werden. NeverLose nannte das Trio seine
Entwicklung, gerade mal 35 Gramm wiegt das
Teil, am Ski verschraubt ist es via Bluetooth
mit dem Smartphone verbunden: Geht der Ski
Johannes Kirchmair:
„Single Use Support
schließt eine Marktlücke
in der Pharmaindustrie.“