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· Tätigkeitsbericht 2016 ·

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Innovations- und Clusterservices

Wie profitieren die

Unternehmen

außerdem davon?

Stefan Wolf: Man

schafft Communi-

ty, Sichtbarkeit und

initiiert Projekte, es

kümmert sich jemand um die Unternehmen des

Clusters. Im Rahmen unserer Möglichkeiten kön-

nen wir außerdem Maßnahmen und Services an-

bieten, die es am Markt sonst nicht gäbe, obwohl

sie regionalwirtschaftlich sinnvoll sind. Hier sind

wir Lückenschließer ebenso wie Vernetzer und

Vertrauensperson. Dass etwas Neues entsteht,

passiert meist durch den persönlichen Kontakt

und gegenseitiges Vertrauen – und es benötigt

immer einen Kümmerer. Diese Kümmerer-

funktion bei Innovationsprojekten übernehmen

wir gerne, denn Unternehmen – insbesondere

KMUs – haben in den seltensten Fällen Zeit und

Ressourcen, dies zu tun. Gäbe es keine Cluster

und man würde Unternehmen fragen, wie die

öffentliche Hand ihnen helfen könne, würden –

davon bin ich überzeugt – viele antworten, dass

es jemanden braucht, der sich um die Vernetzung

zwischen Unternehmen und zwischen Wirtschaft

und Wissenschaft kümmert.

In einer breiten Befragung setzte sich die

Standortagentur Tirol zwischen Mitte 2015

und Mitte 2016 mit der Situation, den Bedürf-

nissen und den Entwicklungsmöglichkeiten

der Tiroler Unternehmen auseinander. Kann

man das Ergebnis auf entscheidende Punkte

herunterbrechen?

Stefan Wolf: Wir wollten wissen, ob das, was

zum Beispiel die Cluster seit einigen Jahren

machen, noch das ist, was die Unternehmen

Die Kümmererfunktion bei

Innovationsprojekten übernehmen

wir gerne, denn Unternehmen

haben in den seltensten Fällen Zeit

und Ressourcen, dies zu tun.

Innovations- und Clusterservices

Lückenschließer

Cluster war DAS wirtschaftspolitische Schlagwort

des beginnenden 21. Jahrhunderts, vor 15 Jahren

war alles Cluster. Wie hat sich die Clusteridee

seither entwickelt?

Stefan Wolf: Cluster als wirtschaftspolitisches

Instrument sind eine Entwicklung der Ende 1990er,

Anfang 2000er Jahre. Dieses Konzept kam damals neu

auf und war für die Wirtschaftspolitik ein passendes

Instrument, um in einer Region Technologie und

Innovation auf eine andere Art und Weise zu stärken

als mit monetären Förderungen allein. Seither haben

sich die Cluster etabliert, auch wenn in einzelnen

Fällen wie in Wien sich die Rahmenbedingungen der

Wirtschaftspolitik geändert haben und man dort auf

andere Instrumente setzt. Es entstehen aber auch

immer noch neue Cluster, aktuell etwa der Silicon Alps

Cluster zum Thema Mikroelektronik in Kärnten und

in der Steiermark.

Ein länderübergreifender Cluster ist eher etwas

Ungewöhnliches.

Stefan Wolf: Ja, weil Cluster tendenziell von regi-

onalen Akteuren organisiert und in Österreich mit

Landesgeldern finanziert werden. Nichts desto trotz

arbeiten aber etwa die Tiroler Cluster eng mit anderen

Bundesländern zusammen wie etwa mit unseren ober-

österreichischen bzw. niederösterreichischen Partner-

agenturen. Dabei funktionieren Best-Practice-Reisen,

Kooperationsbörsen etc. sehr gut. Innovative Koopera-

tionsprojekte – die Champions League der Clusterar-

beit – mit Partnern aus mehreren Ländern müssen, da-

mit sie wirklich zustande kommen, gefördert werden.

Für solche überregionalen Kooperationen, also wenn

Unternehmen bzw. wissenschaftliche Einrichtungen

aus verschiedenen Bundesländern zusammenarbeiten

wollen, gibt es derzeit wenige passende Landesförde-

rungen. Alternativ kämen EU-Programme in Frage,

diese sind aber meist sehr komplex oder kompetitiv.

Wie kann ein Standort von

Clustern profitieren?

Stefan Wolf: Regionen bzw. Bundesländer setzen

gezielt auf Forschungs- oder Innovationstechnologien,

von denen zukünftige Wertschöpfung erwartet wird.

In Tirol hat man sich auf sechs Felder verständigt, in

denen – als Voraussetzung für Innovation – die nötige

wissenschaftliche Expertise und eine kritische Masse

an Unternehmen existieren. Über Cluster kann man

nun wirtschaftspolitisch steuernd eingreifen, effektiv

Wissenschaft und Wirtschaft zusammenbringen und

damit den Unternehmen mit relativ geringen Ressour-

cen unter die Arme greifen.

Wie findet Clusterarbeit statt?

Stefan Wolf: Grundsätzlich arbeiten wir nach dem

österreichischen Clustermodell, das nach fünf Hand-

lungsfeldern funktioniert: Information, Qualifizierung,

Kooperation, Internationalisierung und Öffentlich-

keitsarbeit. Alles, was wir tun, ordnen wir diesen fünf

Themen unter. Zusätzlich haben wir in Tirol pro

Cluster Schwerpunktthemen eingeführt, um die wir

uns in zwei- bis dreijährigen Laufzeiten speziell küm-

mern. Bei unseren Aktivitäten achten wir auch sehr auf

branchenübergreifende Kooperationen im Sinne einer

cross industry innovation – auch dadurch bedingt,

dass bis auf den Holzcluster Tirol alle Cluster in einer

Einrichtung, der Standortagentur Tirol, organisiert

und die einzelnen Einheiten aufgrund der geringen

Größe sehr agil sind. Ziel unserer Clusterarbeit ist

es, Unternehmen bei der Entwicklung innovativer

Produkte und Dienstleistungen zu unterstützen, damit

diese ihre Wettbewerbsfähigkeit steigern und wir

gemeinsam bestehende Arbeitsplätze sichern und neue

schaffen können.

Neue Geschäftsmodelle, internationale

Branchentrends und Finanzierungsfragen

beschäftigen Tirols Unternehmen, die Cluster in

der Standortagentur Tirol reagieren darauf mit

neuen Services. Wie genau, erklärt Stefan Wolf.