Previous Page  38-39 / 64 Next Page
Information
Show Menu
Previous Page 38-39 / 64 Next Page
Page Background

37

Innovations- und Clusterservices

und einem magnetischen Ladekabel. Die Alarmfunktion der Uhr ist

einfach zu bedienen, sie funktioniert sowohl Indoor als auch Outdoor,

eine integrierte Sprachverbindung ermöglicht die Kommunikation mit

der Einrichtung, die dazugehörende Softwareplattform wird in den

Notrufprozess der Einrichtung integriert, auch ethisch-rechtliche As-

pekte zum Schutz der Privatsphäre („Unsere Uhr trackt nicht.“) wurden

berücksichtigt.

„Die Uhr war im Prinzip fertig“, stimmt Unterlerchner zu, was fehlte,

war die „Industriereife“. Das „Innenleben“ bestand aus „fünf, sechs

Platinen, die verschraubt werden mussten“, sagt er, erstens ein Zeitauf-

wand, zweitens fehleranfällig. Exceet brachte sein Produktionswissen

ein, das Ergebnis ist eine zusammenklappbare Platine, die „quasi in

die Uhr reinfällt“. Für den Unternehmer ein typischer Start-up-Vor-

gang, der sich von einem Industriekunden unterscheidet. „Etablierte

Unternehmen haben eine vorgegebene und lange Produktentwick-

lung im Haus, ist diese abgeschlossen, kommen sie zu uns, damit wir

produzieren“, erläutert Unterlerchner, viele Änderungsmöglichkeiten,

die eventuell Zeit und damit Geld ersparen würden, seien nicht mehr

gegeben. Anders bei Start-ups. „Sie selbst glauben zwar, dass sie am

Ende der Entwicklung zu uns kommen, für uns ist es hingegen ein

früher Zeitpunkt, wo noch viel möglich ist“, lacht der Techniker. So

seien noch weitere Optimierungen in die Uhr eingeflossen, bestätigt

Piazolo, für Kleinserien ist man startbereit, als Zielvorgabe hat man

sich 5.000 ausgelieferte Stück in fünf Jahren gesetzt, Ergänzungspro-

dukte sind auch schon angedacht. Geplant sei, in den nächsten Jahren

weiter mit Exceet zu kooperieren, auch wenn es, meint Felix Piazolo

augenzwinkernd, nicht so leicht sei, mit einem Start-up, zusammen-

zuarbeiten. Was Wolfgang Unterlerchner, ebenfalls augenzwinkernd,

bestätigt.

Felix Piazolo: „Für die ersten Kleinserien

sind wir startklar, unsere Zielvorgabe sind

5.000 produzierte Stück in fünf Jahren.“

Hintergrund

Die Standortagentur Tirol nützt zur Verfügung stehende europäische Mittel zum

Ausbau zukunftsfähiger Tiroler Branchen in sogenannten Clustern. Die Innovati-

onskraft und internationale Wettbewerbsfähigkeit der jeweiligen Sektoren - Erneu-

erbare Energien, IT, Life Sciences, Mechatronik und Wellness - werden gestärkt, in

dem die jeweiligen Clustermanagements zu mehr Forschung oder strategischer Inno-

vationsarbeit motivieren und andererseits Kooperationen zwischen den heimischen

Unternehmen bzw. zwischen den heimischen Unternehmen und Forschungseinrich-

tungen anregen, beraten und begleiten. Innovationen, die aus solchen Kooperationen

entstehen, sichern den Unternehmen einen entscheidendenWettbewerbsvorteil und

Marktvorsprung. Zahlen zu Kooperationen 2016 lesen Sie auf Seite 48.

Wolfgang Unterlerchner: „Um ein

Netzwerk aufzubauen, haben wir uns

in den Cluster eingebracht. Es ist auch

viel zurückgekommen, immer wieder ist

vom Clustermanagement der Kontakt zu

Unternehmen hergestellt worden.“

36

· Tätigkeitsbericht 2016 ·

Innovations- und Clusterservices

„In 27 Innsbrucker Stromkästen hatten wir aktive RFID-Reader

installiert, die in einem Umkreis von circa 200 Meter die RFID-Tags

der User erfassen konnten“, erzählt Piazolo, Mitarbeiter des Instituts

für Strategisches Management, Marketing und Tourismus an der Uni

Innsbruck. Die User hatten sich vorher über eine Plattform regist-

riert, ihre Interessen bekannt gegeben und bekamen so via SMS die

für sie passenden Informationen zum jeweiligen Standort. „Nach der

EURO hat uns eine Pflegeeinrichtung angesprochen“, erinnert sich

Felix Piazolo. Ob das System nicht auch für Demenzpatientinnen und

-patienten mit Laufdrang anwendbar wäre, damit man sie, wenn sie

den Rückweg in die Pflegeeinrichtung nicht mehr finden würden,

lokalisieren könnte. „Im Prinzip ja“, war die Antwort, allerdings mit

der Einschränkung, dass das nur in der Nähe eines RFID-Readers

funktionieren könnte.

„Wir sind dieser Idee aber dann mit Partnern in einer Machbarkeits-

studie nachgegangen“, sagt Piazolo, „und haben für einen Prototyp ein

Set an Technologien zusammengeführt.“ Für Indoor ein RFID-System,

für Outdoor einen GPS-Tracker, damals mit einer Oneway-Kommu-

nikationsmöglichkeit. Für ein echtes Produkt mit echten Einsätzen

beantragte man anschließend das EU-Projekt 2PCS im Rahmen des

Ambient (heute Active) Assisted Living Joint Programme, von Som-

mer 2011 bis Ende 2013 entwickelte man mit Partnern aus Südtirol,

Deutschland, den Niederlanden und der Schweiz 50 Geräte, in die

das Feedback von älteren Personen, Pflegeeinrichtungen und deren

Mitarbeitern einfloss. Am Ende des Projekts war für Piazolo klar, dass

2PCS auch auf den Markt kommen soll. Es habe dann noch einige Zeit

gedauert, die auf unterschiedliche Institutionen, Unternehmen und

Länder verteilten Rechte zu entwirren, als Ende 2015 dann die 2PCS

Solutions GmbH gegründet wurde, „hatten wir bis dahin noch eine

Weiter-, ja Neuentwicklung durchgeführt“.

Gesucht wurde vom 2PCS-Team nun ein Hersteller, „wir wollten dafür

einen österreichischen Partner“. Gefunden wurde ein potenzieller auf

einer gemeinsamen Veranstaltung der Cluster Life Sciences bzw. IT

Tirol der Standortagentur zum Thema eHealth. Felix Piazolo: „Das war

unser erster Kontakt mit Exceet.“

Ein zweiter kam nur wenige Wochen später dazu, Jochen Kuhn, der

mit seinem Unternehmen RF-Embedded an der 2PCS-Entwicklung

beteiligt war, hatte vom bayerischen Oberaudorf seine Fühler über den

Inn hinweg nach Ebbs ausgestreckt. Nach den ersten Gesprächen war

rasch klar – die Chemie für die Kooperation passt zwischen dem Start-

up 2PCS und dem 100-Mann-Unternehmen Exceet.

„Wir haben einen gewissen Pool an Start-ups, mit denen wir zusam-

menarbeiten“, sagt Wolfgang Unterlerchner, Geschäftsführer von

Exceet Electronics, „2PCS passt da gut dazu.“ Unterlerchner stieß 2011

zur Ebbser Contec Steuerungstechnik & Automation Gesellschaft, die

im selben Jahr Teil der internationalen Exceet-Gruppe wurde. „Ich

habe damals festgestellt, dass wir in Tirol nur wenige Kunden hatten

und auch nicht bekannt waren“, blickt er zurück. Darauf habe man

aktiv begonnen, ein Netzwerk aufzubauen, genutzt habe man dazu die

Mitgliedschaft beim Cluster Life Sciences Tirol. Unterlerchner: „Wir

waren zwar immer dabei, haben uns aber zunächst nicht eingebracht.“

Das habe er geändert, es sei auch viel zurückgekommen, immer wieder

sei vom Clustermanagement der Kontakt zu Unternehmen – „vor allem

Start-ups“ – hergestellt worden, die auf die Elektronik-Kompetenz von

Exceet zurückgreifen wollten. Speziell Start-ups aus dem Bereich Me-

dizintechnik und Mobile Homecare hätten bei dem Ebbser Unterneh-

men angedockt, „wir bauen uns damit eine entsprechende Kompetenz

auf“. Neben 2PCS arbeiten auch das Innsbrucker Jungunternehmen

Cubile Health mit seinem Sicherheitssystem fürs Krankenbett sowie

das Start-up Texible mit maßgeschneiderten technischen Textilien mit

Exceet zusammen, zwei weitere Projekte aus diesem Bereich befinden

sich schon in der Pipeline.

„Die Start-up-Szene hat für uns aber zudem eine strategische Kom-

ponente“, gibt Unterlerchner zu, auch wenn sie gegenüber etablierten

Unternehmen einen größeren Betreuungsaufwand bedeuten würden.

„Start-ups springen schneller auf Trends auf, sind auch in der Realisie-

rung schneller. Das heißt zwar nicht, dass wir ein fertiges Produkt in

die industrielle Fertigung bringen, wir sind aber schneller bei aktuellen

Trends dabei.“ Außerdem, ist er überzeugt, seien heutige Start-ups

die Industriekunden von morgen: „Nicht, weil aus jedem Start-up ein

Großer wird, sondern weil viele als Mitarbeiter in die Industrie gehen

und die Start-up-Technologie mit ins Unternehmen bringen.“ Als

Beispiel nennt er das Arbeiten mit einem Raspberry Pi, den Einplati-

nencomputer zum Programmieren und Experimentieren. „Start-ups

bauen schnell was auf einem Raspberry Pi zusammen, kommen zu

uns und sagen: Bringt das in die industrielle Produktion.“ Ähnliches,

so Unterlerchner, sei inzwischen auch schon mit jungen Mitarbeitern

eingesessener Kunden passiert.

Auch das 2PCS-Team wollte in die Produktion, die Sicherheitsuhr,

war Piazolo überzeugt, war fertig. „In die Entwicklung waren 2.380

Personen und Einrichtungen auf quantitativer Ebene eingebunden,

110 Personen mit Workshops und Tests“, berichtet der 2PCS-Gründer,

der Input führt etwa zu flexiblen Trageformen, der Farbgestaltung

Der laufende Austausch, den wir in den Clustern

organisieren, ist Grundlage zahlreicher Kooperationen.

Die Offenheit unter Gleichgesinnten ermöglicht

die Entwicklung gemeinsamer Projektideen, deren

Umsetzung wir nach Bedarf begleiten.

Petra Stöckl ·

Clustermanagerin Life Sciences Tirol