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Innovations- und Clusterservices
und einem magnetischen Ladekabel. Die Alarmfunktion der Uhr ist
einfach zu bedienen, sie funktioniert sowohl Indoor als auch Outdoor,
eine integrierte Sprachverbindung ermöglicht die Kommunikation mit
der Einrichtung, die dazugehörende Softwareplattform wird in den
Notrufprozess der Einrichtung integriert, auch ethisch-rechtliche As-
pekte zum Schutz der Privatsphäre („Unsere Uhr trackt nicht.“) wurden
berücksichtigt.
„Die Uhr war im Prinzip fertig“, stimmt Unterlerchner zu, was fehlte,
war die „Industriereife“. Das „Innenleben“ bestand aus „fünf, sechs
Platinen, die verschraubt werden mussten“, sagt er, erstens ein Zeitauf-
wand, zweitens fehleranfällig. Exceet brachte sein Produktionswissen
ein, das Ergebnis ist eine zusammenklappbare Platine, die „quasi in
die Uhr reinfällt“. Für den Unternehmer ein typischer Start-up-Vor-
gang, der sich von einem Industriekunden unterscheidet. „Etablierte
Unternehmen haben eine vorgegebene und lange Produktentwick-
lung im Haus, ist diese abgeschlossen, kommen sie zu uns, damit wir
produzieren“, erläutert Unterlerchner, viele Änderungsmöglichkeiten,
die eventuell Zeit und damit Geld ersparen würden, seien nicht mehr
gegeben. Anders bei Start-ups. „Sie selbst glauben zwar, dass sie am
Ende der Entwicklung zu uns kommen, für uns ist es hingegen ein
früher Zeitpunkt, wo noch viel möglich ist“, lacht der Techniker. So
seien noch weitere Optimierungen in die Uhr eingeflossen, bestätigt
Piazolo, für Kleinserien ist man startbereit, als Zielvorgabe hat man
sich 5.000 ausgelieferte Stück in fünf Jahren gesetzt, Ergänzungspro-
dukte sind auch schon angedacht. Geplant sei, in den nächsten Jahren
weiter mit Exceet zu kooperieren, auch wenn es, meint Felix Piazolo
augenzwinkernd, nicht so leicht sei, mit einem Start-up, zusammen-
zuarbeiten. Was Wolfgang Unterlerchner, ebenfalls augenzwinkernd,
bestätigt.
Felix Piazolo: „Für die ersten Kleinserien
sind wir startklar, unsere Zielvorgabe sind
5.000 produzierte Stück in fünf Jahren.“
Hintergrund
Die Standortagentur Tirol nützt zur Verfügung stehende europäische Mittel zum
Ausbau zukunftsfähiger Tiroler Branchen in sogenannten Clustern. Die Innovati-
onskraft und internationale Wettbewerbsfähigkeit der jeweiligen Sektoren - Erneu-
erbare Energien, IT, Life Sciences, Mechatronik und Wellness - werden gestärkt, in
dem die jeweiligen Clustermanagements zu mehr Forschung oder strategischer Inno-
vationsarbeit motivieren und andererseits Kooperationen zwischen den heimischen
Unternehmen bzw. zwischen den heimischen Unternehmen und Forschungseinrich-
tungen anregen, beraten und begleiten. Innovationen, die aus solchen Kooperationen
entstehen, sichern den Unternehmen einen entscheidendenWettbewerbsvorteil und
Marktvorsprung. Zahlen zu Kooperationen 2016 lesen Sie auf Seite 48.
Wolfgang Unterlerchner: „Um ein
Netzwerk aufzubauen, haben wir uns
in den Cluster eingebracht. Es ist auch
viel zurückgekommen, immer wieder ist
vom Clustermanagement der Kontakt zu
Unternehmen hergestellt worden.“
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· Tätigkeitsbericht 2016 ·
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„In 27 Innsbrucker Stromkästen hatten wir aktive RFID-Reader
installiert, die in einem Umkreis von circa 200 Meter die RFID-Tags
der User erfassen konnten“, erzählt Piazolo, Mitarbeiter des Instituts
für Strategisches Management, Marketing und Tourismus an der Uni
Innsbruck. Die User hatten sich vorher über eine Plattform regist-
riert, ihre Interessen bekannt gegeben und bekamen so via SMS die
für sie passenden Informationen zum jeweiligen Standort. „Nach der
EURO hat uns eine Pflegeeinrichtung angesprochen“, erinnert sich
Felix Piazolo. Ob das System nicht auch für Demenzpatientinnen und
-patienten mit Laufdrang anwendbar wäre, damit man sie, wenn sie
den Rückweg in die Pflegeeinrichtung nicht mehr finden würden,
lokalisieren könnte. „Im Prinzip ja“, war die Antwort, allerdings mit
der Einschränkung, dass das nur in der Nähe eines RFID-Readers
funktionieren könnte.
„Wir sind dieser Idee aber dann mit Partnern in einer Machbarkeits-
studie nachgegangen“, sagt Piazolo, „und haben für einen Prototyp ein
Set an Technologien zusammengeführt.“ Für Indoor ein RFID-System,
für Outdoor einen GPS-Tracker, damals mit einer Oneway-Kommu-
nikationsmöglichkeit. Für ein echtes Produkt mit echten Einsätzen
beantragte man anschließend das EU-Projekt 2PCS im Rahmen des
Ambient (heute Active) Assisted Living Joint Programme, von Som-
mer 2011 bis Ende 2013 entwickelte man mit Partnern aus Südtirol,
Deutschland, den Niederlanden und der Schweiz 50 Geräte, in die
das Feedback von älteren Personen, Pflegeeinrichtungen und deren
Mitarbeitern einfloss. Am Ende des Projekts war für Piazolo klar, dass
2PCS auch auf den Markt kommen soll. Es habe dann noch einige Zeit
gedauert, die auf unterschiedliche Institutionen, Unternehmen und
Länder verteilten Rechte zu entwirren, als Ende 2015 dann die 2PCS
Solutions GmbH gegründet wurde, „hatten wir bis dahin noch eine
Weiter-, ja Neuentwicklung durchgeführt“.
Gesucht wurde vom 2PCS-Team nun ein Hersteller, „wir wollten dafür
einen österreichischen Partner“. Gefunden wurde ein potenzieller auf
einer gemeinsamen Veranstaltung der Cluster Life Sciences bzw. IT
Tirol der Standortagentur zum Thema eHealth. Felix Piazolo: „Das war
unser erster Kontakt mit Exceet.“
Ein zweiter kam nur wenige Wochen später dazu, Jochen Kuhn, der
mit seinem Unternehmen RF-Embedded an der 2PCS-Entwicklung
beteiligt war, hatte vom bayerischen Oberaudorf seine Fühler über den
Inn hinweg nach Ebbs ausgestreckt. Nach den ersten Gesprächen war
rasch klar – die Chemie für die Kooperation passt zwischen dem Start-
up 2PCS und dem 100-Mann-Unternehmen Exceet.
„Wir haben einen gewissen Pool an Start-ups, mit denen wir zusam-
menarbeiten“, sagt Wolfgang Unterlerchner, Geschäftsführer von
Exceet Electronics, „2PCS passt da gut dazu.“ Unterlerchner stieß 2011
zur Ebbser Contec Steuerungstechnik & Automation Gesellschaft, die
im selben Jahr Teil der internationalen Exceet-Gruppe wurde. „Ich
habe damals festgestellt, dass wir in Tirol nur wenige Kunden hatten
und auch nicht bekannt waren“, blickt er zurück. Darauf habe man
aktiv begonnen, ein Netzwerk aufzubauen, genutzt habe man dazu die
Mitgliedschaft beim Cluster Life Sciences Tirol. Unterlerchner: „Wir
waren zwar immer dabei, haben uns aber zunächst nicht eingebracht.“
Das habe er geändert, es sei auch viel zurückgekommen, immer wieder
sei vom Clustermanagement der Kontakt zu Unternehmen – „vor allem
Start-ups“ – hergestellt worden, die auf die Elektronik-Kompetenz von
Exceet zurückgreifen wollten. Speziell Start-ups aus dem Bereich Me-
dizintechnik und Mobile Homecare hätten bei dem Ebbser Unterneh-
men angedockt, „wir bauen uns damit eine entsprechende Kompetenz
auf“. Neben 2PCS arbeiten auch das Innsbrucker Jungunternehmen
Cubile Health mit seinem Sicherheitssystem fürs Krankenbett sowie
das Start-up Texible mit maßgeschneiderten technischen Textilien mit
Exceet zusammen, zwei weitere Projekte aus diesem Bereich befinden
sich schon in der Pipeline.
„Die Start-up-Szene hat für uns aber zudem eine strategische Kom-
ponente“, gibt Unterlerchner zu, auch wenn sie gegenüber etablierten
Unternehmen einen größeren Betreuungsaufwand bedeuten würden.
„Start-ups springen schneller auf Trends auf, sind auch in der Realisie-
rung schneller. Das heißt zwar nicht, dass wir ein fertiges Produkt in
die industrielle Fertigung bringen, wir sind aber schneller bei aktuellen
Trends dabei.“ Außerdem, ist er überzeugt, seien heutige Start-ups
die Industriekunden von morgen: „Nicht, weil aus jedem Start-up ein
Großer wird, sondern weil viele als Mitarbeiter in die Industrie gehen
und die Start-up-Technologie mit ins Unternehmen bringen.“ Als
Beispiel nennt er das Arbeiten mit einem Raspberry Pi, den Einplati-
nencomputer zum Programmieren und Experimentieren. „Start-ups
bauen schnell was auf einem Raspberry Pi zusammen, kommen zu
uns und sagen: Bringt das in die industrielle Produktion.“ Ähnliches,
so Unterlerchner, sei inzwischen auch schon mit jungen Mitarbeitern
eingesessener Kunden passiert.
Auch das 2PCS-Team wollte in die Produktion, die Sicherheitsuhr,
war Piazolo überzeugt, war fertig. „In die Entwicklung waren 2.380
Personen und Einrichtungen auf quantitativer Ebene eingebunden,
110 Personen mit Workshops und Tests“, berichtet der 2PCS-Gründer,
der Input führt etwa zu flexiblen Trageformen, der Farbgestaltung
Der laufende Austausch, den wir in den Clustern
organisieren, ist Grundlage zahlreicher Kooperationen.
Die Offenheit unter Gleichgesinnten ermöglicht
die Entwicklung gemeinsamer Projektideen, deren
Umsetzung wir nach Bedarf begleiten.
Petra Stöckl ·
Clustermanagerin Life Sciences Tirol
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