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· Tätigkeitsbericht 2016 ·
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Herausforderungen, mit Blick über die Landesgrenzen scouten wir dann mit einem Partner
passende Start-ups, die gemeinsam mit den Unternehmen neue Produkte entwickeln.
Hat man etwas Ähnliches schon umgesetzt?
Stefan Wolf: Schon letztes Jahr haben wir gemeinsam die Innovation Days durchgeführt, ein
Konzept, dass Thomas Kohler von der Uni Innsbruck entwickelt hat. Firmen teilen Herausfor-
derungen mit, eine externe interdisziplinäre Gruppe denkt über Lösungen nach und entwickelt
Produkte. Die Gruppen waren in diesem Fall waren das rund 150 Studierende – von der Uni
Innsbruck, dem MCI, der FH Kufstein, der TU Wien und der FH Vorarlberg.
Gab es ein Ergebnis?
Stefan Wolf: Erstens ein tolles Feedback von den Unternehmen, denen der Spirit der Veran-
staltung gefallen hat. Die Unternehmen bekommen zusätzlich auch eine Kundensicht von ganz
jungen Menschen. Es sind mehrere Gruppen auch noch mit den Unternehmen in Kontakt. Und
zweitens natürlich für die Unternehmen konkrete Lösungsansätze auf ihre Problemstellungen.
Und ein konkretes Produkt?
Stefan Wolf: Der TVB Seefeld suchte eine Möglichkeit, digital mit dem Langläufer zu kommu-
nizieren. Bei den Innovation Days wurde ein Konzept einer Datenbrille entworfen. Sie wurde
zwar nicht in der vorgestellten Form umgesetzt, aber es gibt derzeit in einer etwas anderen
Anwendung einen Prototyp, der bei der Ski WM in St. Moritz vorgestellt wurde.
Gibt es noch andere Wege, Unternehmen bei ihrer Arbeit an neuen Geschäftsmodellen
zu helfen?
Stefan Wolf: Wir werden auch ein sogenanntes Kompetenzmapping anbieten, eine von
unserer niederösterreichischen Partneragentur ecoplus entwickelte Methode. Bei einer Desk-
top-Recherche und einem Workshop mit einem Unternehmen wird dieses nicht nach seinen
Produkten, sondern nach Kompetenzen analysiert. Danach setzt sich ein Expertenteam ohne
Unternehmensvertreter zusammen und entwickelt kurz- und mittelfristige Innovationspoten-
ziale – neue Produkte, neue Märkte – auf Basis der Kompetenzen. Zudem arbeiten wir an einer
Workshop-Reihe für Geschäftsmodellentwicklung. Cluster-Mitglieder können dabei ihr derzei-
tiges Geschäftsmodell gezielt analysieren und unter Expertenanleitung verbessern. Man kann
aber auch mit neuen Innovationsprojekten kommen, um dafür Geschäftsmodelle zu entwickeln.
Stichwort investment ready – wie sehen die Unternehmen generell die Finanzierungs-
thematik?
Stefan Wolf: Das ist nicht nur bei Start-ups ein Thema, sondern auch bei bestehenden klassi-
schen Tiroler Mittelständlern. Expansions- und Wachstumsfinanzierung ist schwierig gewor-
den. In der Standortagentur Tirol betreiben wir, um Ideen und Kapital zusammenzubringen, das
Investorennetzwerk Tirol. Einige Investoren sind nicht nur an Start-ups interessiert, sondern
auch an bestehenden Unternehmen. Wir bieten in Zukunft auch für diese Fälle Vermittlung und
Beratung an. Ähnlich gelagert werden wir auch die Dienstleistungen, die wir für neue Unterneh-
men bei der Betriebsansiedlung erbringen, heimischen Unternehmen bei z.B. der Standortsuche
für Betriebserweiterungen anbieten.
Hintergrund
Die Standortagentur Tirol nützt zur Verfügung stehende europäische Mittel zum Ausbau zukunftsfähiger Tiroler
Branchen in sogenannten Clustern. Die in den Clustern Erneuerbare Energien, IT, Life Sciences, Mechatronik
und Wellness Tirol vernetzten Partner – Unternehmen, Forschungseinrichtungen, Bildungsinstitutionen und
Interessensvertretungen – nutzen Synergien, um ihre Wettbewerbsfähigkeit gemeinsam besser und effektiver
zu stärken als alleine. Die Clustermanagements bieten dafür Plattformen, Know-how, Kontakte und beratende
Begleitung. Des Weiteren etablieren die Clustermanagements den passenden Rahmen für die konzertierte Eta-
blierung von Schlüsselthemen wie aktuell der Digitalisierung bei den Mitgliedsunternehmen und am Standort.
Zahlen, Daten und Fakten zur Clusterarbeit 2016 lesen Sie auf den Seiten 46 bis 48.
Stefan Wolf leitet die
Innovations- und Clusterservices
der Standortagentur Tirol.
Innovations- und Clusterservices
Innovations- und Clusterservices
brauchen. Gezeigt hat sich, dass viele Services nach wie vor gebraucht werden, manche
Services neu entstehen müssen und es manche Sachen in der bisherigen Intensität nicht
mehr benötigt, z.B. Internationalisierung im Sinne von Exportunterstützung. Als Kon-
sequenz werden wir ab heuer – mit ein, zwei Ausnahmen – keine Gemeinschaftsstände
auf Fachmessen mehr haben. Vor ein paar Jahren sind wir mit Gemeinschaftsständen auf
zehn bis 15 Fachmessen präsent gewesen. Auch das Thema „qualifizierte Mitarbeiter“
sehen die Unternehmen als wichtig, aber nicht in unserer Hauptverantwortung.
Was wünschen sich die Unternehmen?
Stefan Wolf: Sie brauchen nach ihren eigenen Angaben vor allem Informationen,
wie sich ihre Branchen entwickeln und welche neuen Trends aufkommen werden. Als
KMUs – wir haben ja viel mit KMUs zu tun – haben sie aber neben ihrem Tagesgeschäft
schlicht nicht die Ressourcen, sich diese Informationen selbst zu verschaffen. Hier
springen die Cluster der Standortagentur Tirol ein.
Wie will die Standortagentur Tirol darauf reagieren?
Stefan Wolf: Diese Informationen bieten wir v.a. mit zwei neuen Dienstleistungen an:
In jedem Cluster wird es Trendreisen geben. Abgestimmt mit dem jeweiligen Cluster-
beirat werden ganz gezielt Regionen, die in einem bestimmten Bereich Trendführer
sind, besucht, z.B. Eindhoven für den Medizintechnik-Bereich und Dänemark für den
Energiebereich. Am zweiten Service arbeiten wir gerade. Es wird eine Trendrecherche
geben, die die wichtigsten Entwicklungsperspektiven in einer Branche herausfiltert.
Diese Informationen sollen den Unternehmen laufend mitgeteilt werden. Nicht einmal
im Jahr als Trendreport, sondern in einem schnellen, überschaubaren Format.
Was sind weitere Anliegen der Cluster-Mitglieder?
Stefan Wolf: Das Thema Geschäftsmodell wurde angesprochen – über alle Branchen
und Bereiche hinweg. Aufgrund der Digitalisierung kommen neue Unternehmen mit
neuen Strategien und Produkten auf den Markt. Am Energiesektor etwa ist es durch
die Liberalisierung des Strommarkts ja möglich, mit einem deutschen Anbieter einen
Vertrag abzuschließen. Das heißt, heimische Anbieter müssen auch an ihrem Geschäfts-
modell arbeiten, um darauf reagieren zu können.
Mit welchen Services sollen Unternehmen dabei unterstützt werden?
Stefan Wolf: Das Thema Start-up spielt dabei eine Rolle. Start-ups bringen neue Ideen
und neue Produkte auf den Markt, die Tiroler Unternehmen sind daran interessiert.
Daher versuchen wir in einer Art Open-Innovation-Ansatz Start-ups bzw. junge unter-
nehmerisch denkende Personen mit bestehenden Unternehmen zusammenzubringen.
Wir wollen dafür ein Programm aufsetzen: Eine Gruppe von Unternehmen formuliert
Wir versuchen in einer Art Open-Innovation-Ansatz Start-ups mit bestehenden
Unternehmen zusammenzubringen.
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