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Startup.Tirol
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s muss nicht London, es muss nicht Berlin, es muss nicht Wien
sein. Auch abseits gehypter Start-up-Standorte tut sich so
einiges, in Tirol etwa hat sich in den letzten Jahren eine aktive
Start-up-Szene entwickelt. Dafür sprechen steigende Gründungszah-
len (2.694 Gründungen jährlich bei einem Plus von zwölf Prozent), ein
starker IT-Sektor bei den universitären Ausgründungen, der rasante
Zulauf in das 2015 eröffnete Gründerzentrum Werkstätte Wattens, das
neben Coworking Space und Team-Offices auch Produktionsbereiche
und Fablab zur Verfügung stellt. Laufend frische Ideen wie der COWO
Tirol, das winterliche Start-up-Event Skinnovation, der InnCuba-
tor als Unternehmensschmiede von Wirtschaftskammer Tirol und
Universität Innsbruck, der Verein Startup.Tirol oder das anlaufende
Interreg-Projekt Startup.Euregio sowie zunehmend private Kapital-
geber ( I.E.C.T. Hermann Hauser, Investorennetzwerk Tirol, Tyrolean
Business Angel GmbH…) machen die Tiroler Start-up-Szene über die
Grenzen hinaus sichtbar.
Unterstützt wird sie dabei von der Standortagentur Tirol, die mit
dem Start-up-Club Tirol (potenziellen) Gründerinnen und Gründern
immer wieder die Gelegenheit zur Inspiration, zum Netzwerken und
Austauschen bietet. Der gemeinsam mit der aws veranstaltete Business
Angel Summit lockt internationale Investoren nach Kitzbühel, denen
ausgesuchte Start-ups präsentiert werden. Erstmals organisiert wurde
2016 – gemeinsam mit dem I.E.C.T., der Werkstätte Wattens und dem
Gründerzentrum CAST – das Camp Zwei, ein siebenwöchiges Inten-
sivprogramm, das sieben Start-ups bei der Entwicklung der Markt-
strategie und beim Markteintritt unterstützt. Im Rahmen des „Global
Incubator Network“ lud die Standortagentur Tirol gemeinsam mit der
FFG und der aws zehn ausgewählte Startups aus Asien und Israel in
den COWO Tirol und präsentierte Tirol als Start-up-Standort, beim
Meet & Greet in der Bundeshauptstadt wurde Tirols aufstrebendes
Start-up-Ökosystem in den Fokus von Wiener Investoren gerückt.
Und frisches Kapital findet vermehrt den Weg in die heimische Start-
up-Szene.
Das vom Land Tirol vor vier Jahren ins Leben gerufene Investoren-
netzwerk Tirol etwa konnte bislang rund zehn Millionen Euro an
privatem Beteiligungskapital vermitteln. 2016 gab es in Tirol neun
Finanzierungsrunden mittlerer Größe im Wert von insgesamt 7,7
Millionen Euro. Zu diesen zählten unter anderem die Beteiligung des
I.E.C.T. an More than Metrics, die Beteiligung der Tyrolean Business
Angel GmbH am Medizintechnik-Start-up HeaRT, die Beteiligung des
aws Gründerfonds in Kooperation mit Situlus Holding am Funktech-
nologieanbieter endiio oder das Joint Venture zwischen der Tiroler
iSYS Interventional Systems und dem US-Medtech-Konzern Medtro-
nic.
Für Aufmerksamkeit sorgte auch eine Kooperation das Tiroler
Life-Science-Unternehmen Vira Therapeutics mit Böhringer Ingel-
heim – diese birgt ein potenzielles Transaktionsvolumen von 210
Millionen Euro und schließt an eine Finanzierungsrunde aus dem Jahr
2015 an, die EMBL Ventures, der Böhringer Ingelheim Venture Fund
und die Empl Foundation gemeinsam mit der aws Venture Capital-In-
itiative mit 5,5 Millionen Euro bestreiten. In diese Sphären sind Single
Use Support, Powunity und Fab-Atelier noch nicht vorgestoßen, es
handelt sich aber um drei Tiroler Start-ups, die man sich merken
sollte.
Kontrollhilfe für Pharmariesen
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Lange Zeit sind Johannes Kirchmair und Thomas Wurm noch nicht
im Kirchbichler BHZ, das Türschild ist ein provisorisches, der Raum
riecht nach frischer Farbe. Der Ort passt für die zwei Unterländer,
auch wenn sie ihre zukünftigen Kunden nicht in Tirol sehen. „Wir
arbeiten in bzw. mit der biopharmazeutischen Industrie zusammen“,
sagt Kirchmair. Punkten will man bei den Global Playern durch
Unterstützung in einem Bereich, der in der einschlägigen Industrie
immer wichtiger wird – den Single-Use-Systemen. „Traditionelle
Biotechnologie findet im 2000-Liter-Bereich statt“, berichtet Johannes
Kirchmair, „die Reinigung dieser Reaktoren und Anlagen ist sehr kom-
pliziert, da darauf geachtet wird, dass danach alles wieder steril ist und
nicht einmal ein Pikogramm der vorigen Substanz in den Behältern
zurückbleibt.“
Durchstarter
Auch abseits gehypter Start-up-Standorte tut
sich so manches. Single Use Support, Powunity
und Fab-Atelier etwa sind drei Tiroler Start-ups,
die man sich merken sollte.
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Tiroler
Internationale Start-ups besuchen im Rahmen von GIN (Global Incubator Network)
den COWO Tirol; Investor Hermann Hauser referiert beim Start-up-Club Tirol; Reger
Andrang beim Business Angel Summit in Kitzbühel; das Camp Zwei, ein siebenwöchiges
Intensivprogramm für Start-ups, füllte die Werkstätte Wattens (v. li. ob.)
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· Tätigkeitsbericht 2016 ·
Startup.Tirol